Wir glauben, dass der liebe Gott wegen der Verderbnis und Schlechtigkeit des Menschengeschlechtes Könige, Fürsten und Obrigkeiten eingesetzt hat(1) und dass er will, dass diese Welt durch Gesetze und eine bestimmte Verwaltung regiert werde, um die Fehler der Menschen zu beschränken und damit alles unter den Menschen in rechter Ordnung geführt werde. Deshalb hat er die Obrigkeiten selbst mit dem Schwerte bewaffnet, damit sie die Bösen strafen, die Guten aber schützen(2). Ihres Amtes ist es ferner, nicht nur für die bürgerliche Verfassung besorgt zu sein, sondern auch, sich zu bemühen, dass der Gottesdienst erhalten werde(3), aller Götzendienst und falscher Gottesdienst entfernt werde(4), das Reich des Antichrists zerstört, Christi Reich aber ausgebreitet werde. Endlich ist es ihres Amtes zu bewirken, dass das heilige Wort des Evangeliums überall gepredigt werde und dass jeder Gott auf reine Weise nach Vorschrift seines Wortes frei verehren und anbeten könne. Übrigens müssen sich alle Menschen, welches Ranges, Verhältnisses oder Standes sie auch seien, den gesetzmäßigen Obrigkeiten unterwerfen(5), ihnen Zoll und Abgaben bezahlen(6) und ihnen in allem folgen und gehorchen, was dem Worte Gottes nicht widerstreitet(7), auch für sie beten, dass Gott sie in allen ihren Handlungen zu lenken würdige, wir aber unter ihnen ein stilles und ruhiges Leben führen können in aller Frömmigkeit und allem Anstande(8). Deshalb verabscheuen wir die Anabaptisten und alle Aufrührer, welche Oberhoheiten und Obrigkeiten abwerfen, Recht und Gericht verkehren(9), alle Güter gemeinschaftlich machen und Stand und Rang, die Gott um der Ehre willen unter den Menschen eingesetzt hat, abschaffen und vermengen.
1) Ex 18, 20; Dt 1, 15; Dt 17, 15; Ps 82, 6; Spr 8, 15; Dan 2, 21; Dan 2, 37; Dan 5, 18; Rom 13, 1
2) Dt 1, 16; Dt 16, 19; Ps 82, 8; Ps 101, 2ff; Jer 21, 12; Jer 22, 3
3) Jes 49, 23; 2.Kon 23, 2-3
4) 1.Kon 15, 12; 2.Kon 23, 4ff
5) Tit 3, 1; Rom 13, 1
6) Mt 17, 24ff; Mk 12, 17
7) Apg 4, 17; Apg 4, 19; Apg 5, 29
8) Jer 29, 7; 1.Tim 2, 1-2
9) 2.Petr 2, 10; Jud 1,8


