Confessio Reformata

Reformierte Bekenntnisse auf einen Blick.

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Der Heidelberger Katechismus

1. Was ist dein einiger Trost im Leben und im Sterben?
Daß ich mit Leib und Seele, beide im Leben und im Sterben(1), nicht mein(2), sondern meines getreuen Heilands Jesu Christi eigen bin(3), der mit seinem teuren Blut(4) für alle meine Sünden vollkömmlich bezahlet(5) und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöset hat(6) und also bewahret(7), daß ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupt kann fallen(8), ja auch mir alles zu meiner Seligkeit dienen muß(9). Darum er mich auch durch seinen Heiligen Geist des ewigen Lebens versichert(10) und ihm forthin zu leben von Herzen willig und bereit macht(11).

1) Rom 14, 7; Rom 14, 8
2) 1.Kor 6, 19
3) 1.Kor 3, 23
4) 1.Petr 1, 18; 1.Petr 1, 19
5) 1.Joh 1, 7; 1.Joh 2, 2
6) 1.Joh 3, 8
7) Joh 6, 39
8) Mt 10, 29-31; Lk 21, 18
9) Rom 8, 28
10) 2.Kor 1, 20-22, Eph 1, 13; Eph 1, 14
11) Rom 8, 14; Rom 8, 16


2. Wieviel Stücke sind dir nötig zu wissen, daß du in diesem Trost seliglich leben und sterben mögest?
Drei Stücke(12): Erstlich, wie groß meine Sünde und Elend seien(13). Zum andern, wie ich von allen meinen Sünden und Elend erlöset werde(14). Und zum dritten, wie ich Gott für solche Erlösung soll dankbar sein(15).

12) Lk 24, 46-48; 1.Kor 6, 11; Tit 3, 3-7
13) Joh 9, 41; Joh 15, 22
14) Joh 17, 3
15) Eph 5, 8-11; 1.Petr 2, 9; 1.Petr 2, 10; Rom 6, 1; Rom 6, 2; Rom 6, 12; Rom 6, 13


3. Woher erkennest du dein Elend?
Aus dem Gesetz Gottes.(16)

16) Rom 3, 20


4. Was erfordert denn das göttliche Gesetz von uns?
Dies lehret uns Christus in einer Summa, Matthäus am 22.: »Du sollst lieben Gott, deinen Herren, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und allen Kräften; dies ist das vornehmste und das größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst. In diesen zwei Geboten hanget das ganze Gesetz und die Propheten.«(17)

17) Lk 10, 27


5. Kannst du dies alles vollkömmlich halten?
Nein(18), denn ich bin von Natur Geneigt, Gott und meinen Nächsten zu hassen(19).

18) Rom 3, 10; 1.Joh 1,8
19) Rom 8, 7; Eph 2, 3


6. Hat denn Gott den Menschen also bös und verkehrt erschaffen?
Nein(20), sondern Gott hat den Menschen gut und nach seinem Ebenbild erschaffen(21), das ist in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit, auf daß er Gott, seinen Schöpfer, recht erkennte und von Herzen liebte und in ewiger Seligkeit mit ihm lebte, ihn zu loben und zu preisen(22).

20) Gen 1, 31
21) Gen 1, 26; Gen 1, 27
22) 2.Kor 3, 18; Kol 3, 9; Kol 3, 10; Eph 4, 23; Eph 4, 24


7. Woher kommt denn solche verderbte Art des Menschen?
Aus dem Fall und Ungehorsam unserer ersten Eltern, Adams und Evas, im Paradies(23), da unsere Natur also vergiftet worden, daß wir alle in Sünden empfangen und geboren werden(24).

23) Gen 3; Rom 5, 12; Rom 5, 18; Rom 5, 19
24) Ps 51, 7


8. Sind wir aber dermaßen verderbt, daß wir ganz und gar untüchtig sind zu einigem Guten und geneigt zu allem Bösen?
Ja(25), es sei denn, daß wir durch den Geist Gottes wiedergeboren werden(26).

25) Joh 3, 6; Gen 6, 5; Hiob 14, 4; Hiob 15, 16; Hiob 15, 35; Jes 53, 6
26) Joh 3, 5


9. Tut denn Gott dem Menschen nicht Unrecht, daß er in seinem Gesetz von ihm fordert, das er nicht tun kann?
Nein, denn Gott hat den Menschen also erschaffen, daß er es konnte tun(27); der Mensch aber hat sich und alle seine Nachkommen aus Anstiftung des Teufels durch mutwilligen Ungehorsam derselbigen Gaben beraubt(28).

27) Eph 4, 24; Eph 4, 25
28) Rom 5, 12


10. Will Gott solchen Ungehorsam und Abfall ungestraft lassen hingehen?
Mitnichten(29), sondern er zürnet schrecklich, beide über angeborne und wirkliche Sünden, und will sie aus gerechtem Urteil zeitlich und ewig strafen, wie er gesprochen hat: »Verflucht sei jedermann, der nicht bleibet in allem dem, das geschrieben stehet in dem Buch des Gesetzes, daß er’s tue.«(30)

29) Rom 5, 12; Hebr 9, 27
30) Dt 27, 26; Gal 3, 10


11. Ist denn Gott nicht auch barmherzig?
Gott ist wohl barmherzig(31), er ist aber auch gerecht(32); derhalben erfordert seine Gerechtigkeit, daß die Sünde, welche wider die allerhöchste Majestät Gottes begangen ist, auch mit der höchsten, das ist der ewigen Strafe an Leib und Seele gestraft werde.

31) Ex 34, 6; Ex 34, 7
32) Ex 20, 5; Ps 5, 5; Ps 5, 6; 2.Kor 6, 14-17


12. Dieweil wir denn nach dem gerechten Urteil Gottes zeitliche und ewige Strafe verdient haben, wie möchten wir dieser Strafe entgehen und wiederum zu Gnaden kommen?
Gott will, daß seiner Gerechtigkeit genug geschehe(33), derwegen müssen wir derselben entweder durch uns selbst oder durch einen andern vollkommene Bezahlung tun(34).

33) Ex 20, 5; Ex 23, 7
34) Rom 8, 3; Rom 8, 4


13. Können wir aber durch uns selbst Bezahlung tun?
Mitnichten, sondern wir machen auch die Schuld noch täglich größer(35).

35) Hiob 9, 3; Hiob 15, 15; Mt 6, 12


14. Kann aber irgendeine bloße Kreatur für uns bezahlen?
Keine, denn erstlich will Gott an keiner andern Kreatur strafen, das der Mensch verschuldet hat(36). Zum andern, so kann auch keine bloße Kreatur die Last des ewigen Zorns Gottes wider die Sünde ertragen und andere davon erlösen.(37)

36) Hebr 2, 14-18
37) Ps 130, 3


15. Was müssen wir denn für einen Mittler und Erlöser suchen?
Einen solchen, der ein wahrer(38) und gerechter Mensch(39) und doch stärker denn alle Kreaturen, das ist zugleich wahrer Gott sei(40).

38) 1.Kor 15, 21
39) Jer 33, 16; Jes 53, 9; 2.Kor 5, 21; Hebr 7, 16
40) Jes 7, 14; Rom 9, 5; Jer 23, 5; Jer 23, 6


16. Warum muß er ein wahrer und gerechter Mensch sein?
Darum, daß die Gerechtigkeit Gottes erfordert(41), daß die menschliche Natur, die gesündigt hat, für die Sünde bezahle, und aber einer, der selbst ein Sünder wäre, nicht könnte für andere bezahlen(42).

41) Rom 5, 12; Rom 5, 15
42) 1.Petr 3, 18; Jes 53, 3-5; Jes 53, 10; Jes 53, 11


17. Warum muß er zugleich wahrer Gott sein?
Daß er aus Kraft seiner Gottheit(43) die Last des Zorns Gottes an seiner Menschheit ertragen und uns die Gerechtigkeit und das Leben erwerben(44) und wiedergeben möchte(45).

43) Jes 53, 8; Apg 2, 24; 1.Petr 3, 18
44) Joh 3, 16; Apg 20, 28
45) Joh 1, 4


18. Wer ist aber derselbe Mittler, der zugleich wahrer Gott und ein wahrer, gerechter Mensch ist?
Unser Herr Jesus Christus(46), der uns zur vollkommenen Erlösung und Gerechtigkeit geschenkt ist(47).

46) Mt 1, 23; 1.Tim 3, 16; Lk 2, 11
47) 1.Kor 1, 30


19. Woher weißt du das?
Aus dem heiligen Evangelium, welches Gott selbst anfänglich im Paradies(48) hat offenbaret, folgends durch die heiligen Erzväter(49) und Propheten lassen verkündigen und durch die Opfer und andere Zeremonien des Gesetzes vorgebildet(50), endlich aber durch seinen eingeliebten Sohn erfüllet(51).

48) Gen 3, 15
49) Gen 22, 18; Gen 49, 10; Gen 49, 11; Rom 1, 2; Hebr 1, 1; Apg 3, 22-24; Apg 10, 43
50) Joh 5, 46; Hebr 10, 7
51) Rom 10, 4; Gal 4, 4; Gal 4, 5


20. Werden denn alle Menschen wiederum durch Christum selig, wie sie durch Adam sind verloren worden?
Nein, sondern allein diejenigen, die durch wahren Glauben ihm werden eingeleibet und alle seine Wohltaten annehmen.(52)

52) Joh 1, 12; Jes 53, 11; Ps 2, 12; Rom 11, 17; Rom 11, 19; Hebr 4, 2; Hebr 10, 39


21. Was ist wahrer Glaube?
Es ist nicht allein eine gewisse Erkenntnis, dadurch ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbaret(53), sondern auch ein herzliches Vertrauen(54), welches der Heilige Geist(55) durchs Evangelium in mir wirket(56), daß nicht allein andern, sondern auch mir Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und Seligkeit von Gott geschenkt sei(57) aus lauter Gnaden, allein um des Verdiensts Christi willen(58).

53) Jak 1, 18
54) Rom 4, 16-21; Rom 5, 1
55) 2.Kor 4, 13; Eph 2, 8-9; Mt 16, 17; Phil 1, 19
56) Rom 1, 16; Rom 10, 17
57) Hebr 11, 7-10; Rom 1, 16
58) Eph 2, 7-9; Rom 3, 24; Rom 3, 25; Gal 2, 16


22. Was ist aber einem Christen not zu glauben?
Alles, was uns im Evangelium verheißen wird(59), welches uns die Artikel unsers allgemeinen, ungezweifelten, christlichen Glaubens in einer Summa lehren.

59) Joh 20, 31; Mt 28, 20


23. Wie lauten dieselben?
[1] Ich glaube in Gott Vater, den Allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erden. [2] Und in Jesum Christum, seinen eingebornen Sohn, unsern Herrn, [3] der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria, der Jungfrau, [4] gelitten unter Pontio Pilato, gekreuziget, gestorben und begraben, abgestiegen zu der Hölle, [5] am dritten Tage wiederauferstanden von den Toten, [6] aufgefahren gen Himmel, sitzet zu der Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, [7] von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. [8] Ich glaube in den Heiligen Geist, [9] eine heilige, allgemeine, christliche Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, [10] Vergebung der Sünden, [11] Auferstehung des Fleisches [12] und ein ewiges Leben.


24. Wie werden diese Artikel abgeteilt?
In drei Teile: Der erste ist von Gott dem Vater und unserer Erschaffung. Der andere von Gott dem Sohn und unserer Erlösung. Der dritte von Gott dem Heiligen Geist und unserer Heiligung.


25. Dieweil nur ein einiges göttliches Wesen ist(60), warum nennest du drei: den Vater, Sohn und Heiligen Geist?
Darum, daß sich Gott also in seinem Wort geoffenbaret hat(61), daß diese drei unterschiedlichen Personen der einige, wahrhaftige, ewige Gott sind.

60) Dt 6, 4
61) Jes 61, 1; Ps 110, 1; Mt 3, 16; Mt 3, 17; Mt 28, 19; 1.Joh 5, 7


26. Was glaubest du, wenn du Sprichst: »Ich glaube in Gott Vater, den Allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erden«?
Daß der ewige Vater unsers Herrn Jesu Christi, der Himmel und Erde samt allem, was drinnen ist, aus nichts erschaffen(62), auch dieselbigen noch durch seinen ewigen Rat und Vorsehung erhält und regieret(63), um seines Sohns Christi willen mein Gott und mein Vater sei(64), auf welchen ich also vertraue, daß ich nicht zweifele, er werde mich mit aller Notdurft Leibs und der Seele versorgen(65), auch alles Übel, so er mir in diesem Jammertal zuschicket, mir zu gut wenden(66) dieweil er’s tun kann als ein allmächtiger Gott(67) und auch tun will als ein getreuer Vater(68).

62) Gen 1; Ps 33, 6
63) Ps 104; Mt 10, 29; Hebr 1, 3; Ps 115, 1-3
64) Joh 1, 12; Rom 8, 15; Gal 4, 5-7; Eph 1, 5
65) Ps 55, 23; Mt 6, 25; Mt 6, 26; Lk 12, 22
66) Rom 8, 28
67) Rom 10, 12
68) Mt 6, 25-34; Mt 7, 9-11


27. Was verstehest du durch die Vorsehung Gottes?
Die allmächtige und gegenwärtige Kraft Gottes(69), durch welche er Himmel und Erde samt allen Kreaturen gleich als mit seiner Hand noch erhält(70) und also regiert, daß Laub und Gras, Regen und Dürre, fruchtbare und unfruchtbare Jahre, Essen und Trinken(71), Gesundheit und Krankheit(72), Reichtum und Armut(73) und alles nicht ungefähr, sondern von seiner väterlichen Hand uns zukomme.

69) Apg 17, 25; Apg 17, 26
70) Hebr 1, 3
71) Jer 5, 24; Apg 14, 17
72) Joh 9, 3
73) Spr 22, 2


28. Was für Nutz bekommen wir aus Erkenntnis der Schöpfung und Vorsehung Gottes?
Daß wir in aller Widerwärtigkeit geduldig(74), in Glückseligkeit dankbar(75) und aufs zukünftige guter Zuversicht zu unserm getreuen Gott und Vater sein sollen, daß uns keine Kreatur von seiner Liebe scheiden wird(76), dieweil alle Kreaturen also in seiner Hand sind, daß sie sich ohne seinen Willen auch nicht regen noch bewegen können(77).

74) Rom 5, 3; Jak 1, 3; Hiob 1, 21
75) Dt 8, 10; 1.Thess 5, 18
76) Rom 8, 38; Rom 8, 39
77) Hiob 1, 12; Apg 17, 28; Spr 21, 1


29. Warum wird der Sohn Gottes »Jesus«, das ist Seligmacher, genannt?
Darum, daß er uns selig macht von unsern Sünden(78) und daß bei keinem andern einige Seligkeit zu suchen noch zu finden ist(79).

78) Mt 1, 21; Hebr 7, 24; Hebr 7, 25
79) Apg 4, 12


30. Glauben denn die auch an den einigen Seligmacher Jesum, die ihre Seligkeit und Heil bei Heiligen, bei sich selbst oder anderswo suchen?
Nein, sondern sie verleugnen mit der Tat den einigen Seligmacher und Heiland Jesum, ob sie sich sein gleich rühmen(80). Denn entweder Jesus nicht ein vollkommener Heiland sein muß, oder die diesen Heiland mit wahrem Glauben annehmen, müssen alles in ihm haben, das zu ihrer Seligkeit vonnöten ist(81).

80) 1.Kor 1, 13; Gal 5, 4
81) Jes 9, 6; Kol 1, 19; Kol 1, 20; Kol 2, 10; Joh 1, 16


31. Warum ist er »Christus«, das ist ein Gesalbter, genannt?
Daß er von Gott dem Vater verordnet und mit dem Heiligen Geist(82) gesalbet ist zu unserm obersten Propheten und Lehrer(83), der uns den heimlichen Rat und Willen Gottes von unserer Erlösung vollkömmlich offenbaret(84), und zu unserem einigen Hohenpriester(85), der uns mit dem einigen Opfer seines Leibs erlöset hat und immerdar mit seiner Fürbitte vor dem Vater vertritt(86), und zu unserem ewigen König, der uns mit seinem Wort und Geist regiert und bei der erworbenen Erlösung schützet und erhält(87).

82) Hebr 1, 9
83) Dt 18, 15; Apg 3, 22
84) Joh 1, 18; Joh 15, 15
85) Ps 110, 4; Hebr 7, 21
86) Rom 8, 34; Rom 5, 9; Rom 5, 10
87) Ps 2, 6; Lk 1, 33; Mt 28, 18


32. Warum wirst aber du ein Christ genannt?
Daß ich durch den Glauben ein Glied Christi(88) und also seiner Salbung teilhaftig bin(89), auf daß auch ich seinen Namen bekenne(90), mich ihm zu einem lebendigen Dankopfer darstelle(91) und mit freiem Gewissen in diesem Leben wider die Sünde und Teufel streite(92) und hernach in Ewigkeit mit ihm über alle Kreaturen herrsche(93).

88) Apg 11, 26
89) 1.Joh 2, 27; 1.Joh 2, 28; Apg 2, 17
90) Mt 8, 38
91) Rom 12, 1; Offb 5, 8; 1.Petr 2, 9; Offb 1, 6
92) 1.Tim 1, 18; 1.Tim 1, 19
93) 2.Tim 2, 12


33. Warum heißt er »Gottes eingeborner Sohn«, so doch wir auch Kinder Gottes sind?
Darum, daß Christus allein der ewige, natürliche Sohn Gottes ist(94), wir aber um seinetwillen aus Gnaden zu Kindern Gottes angenommen sind(95).

94) Joh 1, 1-3; Joh 1, 14; Joh 1, 18; Hebr 1, 2
95) Rom 8, 15-17; Eph 1, 5; Eph 1, 6


34. Warum nennest du ihn »unsern Herrn«?
Daß er uns mit Leib und Seele von der Sünde und aus aller Gewalt des Teufels nicht mit Gold und Silber, sondern mit seinem teuern Blut sich zum Eigentum erlöset und erkauft hat.(96)

96) 1.Petr 1, 18; 1.Petr 1, 19; 1.Petr 2, 9; 1.Kor 6, 20; 1.Kor 7, 23


35. Was heißt, daß er empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria, der Jungfrau?
Daß der ewige Sohn Gottes, der wahrer und ewiger Gott ist(97) und bleibet(98), wahre menschliche Natur aus dem Fleisch und Blut der Jungfrau Maria(99) durch Wirkung des Heiligen Geists an sich genommen hat(100), auf daß er auch der wahre Same Davids sei(101), seinen Brüdern in allem gleich(102), ausgenommen die Sünde(103).

97) Joh 1, 1; Rom 1, 4
98) Rom 9, 5
99) Gal 4, 4; Joh 1, 14
100) Mt 1, 18; Mt 1, 20; Lk 1, 35
101) Ps 132, 11; Rom 1, 3
102) Phil 2, 7
103) Hebr 4, 15


36. Was für Nutz bekommest du aus der heiligen Empfängnis und Geburt Christi?
Daß er unser Mittler ist(104) und mit seiner Unschuld und vollkommenen Heiligkeit meine Sünde, darin ich bin empfangen, vor Gottes Angesicht bedecket(105).

104) Hebr 2, 16; Hebr 2, 17
105) Ps 32, 1; 1.Kor 1, 30


37. Was verstehest du durch das Wörtlein »gelitten«?
Daß er an Leib und Seele die ganze Zeit seines Lebens auf Erden, sonderlich aber am Ende derselben, den Zorn Gottes wider die Sünde des ganzen menschlichen Geschlechts getragen hat(106), auf daß er mit seinem Leiden als mit dem einigen Sühnopfer(107) unseren Leib und Seele von der ewigen Verdammnis erlösete und uns Gottes Gnade, Gerechtigkeit und ewiges Leben erwürbe.

106) 1.Petr 2, 24; Jes 53, 12
107) 1.Joh 2, 2; 1.Joh 4, 10; Rom 3, 25


38. Warum hat er unter dem Richter Pontio Pilato gelitten?
Auf daß er unschuldig unter dem weltlichen Richter verdammt würde(108) und uns damit von dem strengen Urteil Gottes, das über uns gehen sollte, erledigte(109).

108) Apg 4, 27; Apg 4, 28; Lk 23, 14; Joh 19, 4
109) Ps 69, 5; Jes 53, 4; Jes 53, 5; 2.Kor 5, 21; Gal 3, 13


39. Ist es etwas mehr, daß er ist gekreuziget worden, denn so er eines andern Tods gestorben wäre?
Ja, denn dadurch bin ich gewiß, daß er die Vermaledeiung, die auf mir läge, auf sich geladen habe(110), dieweil der Tod des Kreuzes von Gott verflucht war(111).

110) Gal 3, 13
111) Dt 21, 23; Gal 3, 13


40. Warum hat Christus den Tod müssen leiden?
Darum, daß von wegen der Gerechtigkeit und Wahrheit(112) Gottes nicht anders für unsere Sünden mochte bezahlt werden, denn durch den Tod des Sohns Gottes(113).

112) Gen 2, 17
113) Hebr 2, 9; Hebr 2, 14; Hebr 2, 15


41. Warum ist er begraben worden?
Damit zu bezeugen, daß er wahrhaftig gestorben sei.(114)

114) Mt 27, 59Mt 27, 60; Lk 23, 50-56; Joh 19, 38-53; Apg 13, 29


42. Weil denn Christus für uns gestorben ist, wie kommt’s, daß wir auch sterben müssen?
Unser Tod ist nicht eine Bezahlung für unsere Sünde, sondern nur eine Absterbung der Sünden und Eingang zum ewigen Leben.(115)

115) Joh 5, 24; Phil 1, 23; Rom 7, 24


43. Was bekommen wir mehr für Nutz aus dem Opfer und Tod Christi am Kreuz?
Daß durch seine Kraft unser alter Mensch mit ihm gekreuziget, getötet und begraben wird(116), auf daß die bösen Lüste des Fleisches nicht mehr in uns regieren(117), sondern daß wir uns selbst ihm zur Danksagung aufopfern(118).

116) Rom 6, 6-8; Rom 6, 11; Rom 6, 12; Kol 2, 12
117) Rom 6, 12
118) Rom 12, 1


44. Warum folgt »abgestiegen zu der Hölle«?
Daß ich in meinen höchsten Anfechtungen versichert sei, mein Herr Christus habe mich durch seine unaussprechliche Angst, Schmerzen und Schrecken, die er auch an seiner Seele am Kreuz und zuvor erlitten, von der höllischen Angst und Pein erlöset.(119)

119) Jes 53, 10; Mt 27, 46


45. Was nützet uns die Auferstehung Christi?
Erstlich hat er durch seine Auferstehung den Tod überwunden, daß er uns der Gerechtigkeit, die er uns durch seinen Tod erworben hat, könnte teilhaftig machen.(120) Zum andern werden auch wir jetzt durch seine Kraft erwecket zu einem neuen Leben.(121) Zum dritten ist uns die Auferstehung Christi ein gewisses Pfand unserer seligen Auferstehung.(122)

120) 1.Kor 15, 17; 1.Kor 15, 54; 1.Kor 15, 55; Rom 4, 25; 1.Petr 1, 3; 1.Petr 1, 21
121) Rom 6, 4; Kol 3, 1; Kol 3, 5; Eph 2, 5
122) 1.Kor 15, 12; Rom 8, 11


46. Wie verstehst du, daß er ist gen Himmel gefahren?
Daß Christus vor den Augen seiner Jünger ist von der Erde aufgehoben gen Himmel(123) und uns zugut daselbst ist(124), bis daß er wiederkommt, zu richten die Lebendigen und die Toten(125).

123) Apg 1, 9; Mt 26, 64; Mk 16, 19; Lk 24, 51
124) Hebr 4, 14; Hebr 7, 25; Hebr 9, 24-28; Rom 8, 34; Eph 4, 10; Kol 3, 1
125) Apg 1, 11; Mt 24, 30


47. Ist denn Christus nicht bei uns bis ans Ende der Welt, wie er uns verheißen hat(126)?
Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott: Nach seiner menschlichen Natur ist er jetzt nicht auf Erden(127), aber nach seiner Gottheit, Majestät, Gnade und Geist weicht er nimmer von uns(128).

126) Mt 28, 20
127) Mt 26, 11; Joh 16, 28; Joh 17, 11; Apg 3, 21
128) Joh 14, 17-19; Joh 16, 13; Mt 28, 20; Eph 4, 8; Eph 4, 12


48. Werden aber mit der Weise die zwo Naturen in Christo nicht voneinander getrennet, so die Menschheit nicht überall ist, da die Gottheit ist?
Mitnichten, denn weil die Gottheit unbegreiflich und allenthalben gegenwärtig ist(129), so muß folgen, daß sie wohl außerhalb ihrer angenommenen Menschheit und dennoch nichtsdestoweniger auch in derselben ist und persönlich mit ihr vereiniget bleibt(130).

129) Apg 7, 49; Jer 23, 24
130) Kol 2, 9; Joh 3, 13; Joh 11, 15; Mt 28, 6


49. Was nützet uns die Himmelfahrt Christi?
Erstlich, daß er im Himmel vor dem Angesicht seines Vaters unser Fürsprecher ist.(131) Zum andern, daß wir unser Fleisch im Himmel zu einem sichern Pfand haben, daß er als das Haupt uns, seine Glieder, auch zu sich werde hinaufnehmen.(132) Zum dritten, daß er uns seinen Geist zum Gegenpfand herabsendet(133), durch welches Kraft wir suchen, was droben ist, da Christus ist, sitzend zu der Rechten Gottes, und nicht, das auf Erden ist(134).

131) 1.Joh 2, 1; Rom 8, 34
132) Joh 14, 2; Joh 20, 17; Eph 2, 6
133) Joh 14, 16; Apg 2, 1-4; Apg 2, 33; 2.Kor 1, 22; 2.Kor 5, 5
134) Kol 3, 1; Phil 3, 14

50. Warum wird hinzugesetzt, daß er sitze zur Rechten Gottes?
Daß Christus darum gen Himmel gefahren ist, daß er sich daselbst erzeige als das Haupt seiner christlichen Kirche(135), durch welches der Vater alles regiert(136).

135) Eph 1, 20-23; Kol 1, 18
136) Mt 28, 18; Joh 5, 22


51. Was nutzet uns diese Herrlichkeit unsers Haupts Christi?
Erstlich, daß er durch seinen Heiligen Geist in uns, seine Glieder, die himmlischen Gaben ausgießt.(137) Darnach, daß er uns mit seiner Gewalt wider alle Feinde schützet und erhält.(138)

137) Eph 4, 10
138) Ps 2, 9; Joh 10, 28; Eph 4, 8


52. Was tröstet dich die Wiederkunft Christi, zu richten die Lebendigen und die Toten?
Daß ich in allem Trübsal und Verfolgung mit aufgerichtetem Haupt eben des Richters, der sich zuvor dem Gericht Gottes für mich dargestellt und alle Vermaledeiung von mir hinweggenommen hat, aus dem Himmel gewärtig bin(139), daß er alle seine und meine Feinde in die ewige Verdammnis werfe(140), mich aber samt allen Auserwählten zu sich in die himmlische Freude und Herrlichkeit nehme(141).

139) Lk 21, 28; Rom 8, 23; Phil 3, 20; Tit 2, 13
140) 2.Thess 1, 6-10; 1.Thess 4, 16; Mt 25, 41-43
141) Mt 25, 34


53. Was glaubest du vom Heiligen Geist?
Erstlich, daß er gleich ewiger Gott mit dem Vater und dem Sohn ist.(142) Zum andern, daß er auch mir gegeben ist(143), mich durch einen wahren Glauben Christi und aller seiner Wohltaten teilhaftig macht(144), mich tröstet(145) und bei mir bleiben wird bis in Ewigkeit(146).

142) Gen 1, 2; Jes 48, 16; 1.Kor 3, 16; 1.Kor 6, 19; Apg 5, 3; Apg 5, 4
143) Mt 28, 19; 2.Kor 1, 21; 2.Kor 1, 22
144) Gal 3, 14; 1.Petr 1, 2; 1.Kor 6, 17
145) Apg 9, 31
146) Joh 14, 16; 1.Petr 4, 14


54. Was glaubst du von der heiligen, allgemeinen, christlichen Kirche?
Daß der Sohn Gottes(147) aus dem ganzen menschlichen Geschlecht(148) sich eine auserwählte Gemeinde zum ewigen Leben(149) durch seinen Geist und Wort(150) in Einigkeit des wahren Glaubens(151) von Anbeginn der Welt bis ans Ende(152) versammle, schütze und erhalte(153) und daß ich derselben ein lebendiges Glied bin(154) und ewig bleiben werde(155).

147) Joh 10, 11
148) Gen 26, 4
149) Rom 8, 29; Rom 8, 30; Eph 1, 10-13
150) Jes 59, 21; Rom 1, 16; Rom 10, 14-17; Eph 5, 26
151) Apg 2, 46; Eph 4, 3-6
152) Ps 71, 18; 1.Kor 11, 26
153) Mt 16, 18; Joh 10, 28-30; 1.Kor 1, 8; 1.Kor 1, 9
154) 1.Joh 3, 21
155) 1.Joh 1


55. Was verstehest du durch die Gemeinschaft der Heiligen?
Erstlich, daß alle und jede Gläubigen als Glieder an dem Herrn Christo und allen seinen Schätzen und Gaben Gemeinschaft haben.(156) Zum andern, daß ein jeder seine Gaben zum Nutz und Heil der andern Glieder willig und mit Freuden anzulegen sich schuldig wissen soll.(157)

156) 1.Joh 1, 3; 1.Kor 1, 9; Rom 8, 32
157) 1.Kor 12, 12; 1.Kor 12, 13; 1.Kor 12, 21; 1.Kor 13, 5; Phil 2, 4-6


56. Was glaubst du von Vergebung der Sünden?
Daß Gott um der Genugtuung Christi willen(158) aller meiner Sünden, auch der sündlichen Art, mit der ich mein Leben lang zu streiten habe(159), nimmermehr gedenken will, sondern mir die Gerechtigkeit Christi aus Gnaden schenket, daß ich ins Gericht nimmermehr soll kommen(160).

158) 1.Joh 2, 2; 2.Kor 5, 19; 2.Kor 5, 21
159) Jer 31, 34; Ps 103, 3; Ps 103, 4; Ps 103, 10; Ps 103, 12; Rom 7, 24; Rom 7, 25; Rom 8, 1-4
160) Joh 3, 18


57. Was tröstet dich die Auferstehung des Fleisches?
Daß nicht allein meine Seele nach diesem Leben alsbald zu Christo, ihrem Haupt, genommen wird(161), sondern auch, daß dies mein Fleisch, durch die Kraft Christi auferweckt, wieder mit meiner Seele vereiniget und dem herrlichen Leib Christi gleichförmig werden soll(162).

161) Lk 23, 43; Phil 1, 23
162) 1.Kor 15, 53; 1.Kor 15, 54; Hiob 19, 25; Hiob 19, 26; 1.Joh 3, 2; Phil 3, 21


58. Was tröstet dich der Artikel vom ewigen Leben?
Daß, nachdem ich jetzt den Anfang der ewigen Freude in meinem Herzen empfinde(163), ich nach diesem Leben vollkommene Seligkeit besitzen werde, die kein Auge gesehen, kein Ohr gehöret und in keines Menschen Herz nie gekommen ist(164), Gott ewiglich darin zu preisen(165).

163) 2.Kor 5, 2; 2.Kor 5, 3
164) 1.Kor 2, 9
165) Joh 17, 3


59. Was hilft es dir aber nun, wenn du dies alles glaubest?
Daß ich in Christo vor Gott gerecht und ein Erbe des ewigen Lebens bin.(166)

166) Hab 2, 4; Rom 1, 17; Joh 3, 36


60. Wie bist du gerecht vor Gott?
Allein durch wahren Glauben in Jesum Christum(167); also daß, ob mich schon mein Gewissen anklagt, daß ich wider alle Gebote Gottes schwerlich gesündiget und derselben keines nie gehalten habe(168), auch noch immerdar zu allem Bösen geneigt bin(169), doch Gott ohne alle meine Verdienste(170), aus lauter Gnaden(171), mir die vollkommene Genugtuung(172), Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi schenket(173) und zurechnet(174), als hätte ich nie keine Sünde begangen noch gehabt und selbst allen den Gehorsam vollbracht, den Christus für mich hat geleistet(175), wenn ich allein solche Wohltat mit gläubigem Herzen annehme(176).

167) Rom 3, 21-25; Rom 3, 28; Gal 2, 16; Eph 2, 8; Eph 2, 9; Phil 3, 9
168) Rom 3, 9
169) Rom 7, 23
170) Tit 3, 5
171) Rom 3, 24; Eph 2, 8
172) 1.Joh 2, 2
173) 1.Joh 2, 1
174) Rom 4, 4. 5; 2.Kor 5, 19
175) 2.Kor 5, 21
176) Rom 3, 22; Joh 3, 18


61. Warum sagst du, daß du allein durch den Glauben gerecht seiest?
Nicht, daß ich von wegen der Würdigkeit meines Glaubens Gott gefalle, sondern darum, daß allein Genugtuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi meine Gerechtigkeit vor Gott ist(177) und ich dieselbe nicht anders denn allein durch den Glauben annehmen und mir zueignen kann(178).

177) 1.Kor 1, 30; 1.Kor 2, 2
178) 1.Joh 5, 10


62. Warum können aber unsere guten Werke nicht die Gerechtigkeit vor Gott oder ein Stück derselben sein?
Darum, daß die Gerechtigkeit, so vor Gottes Gericht bestehen soll, durchaus vollkommen und dem göttlichen Gesetz ganz gleichförmig sein muß(179) und aber auch unsere besten Werke in diesem Leben alle unvollkommen und mit Sünden befleckt sind(180).

179) Gal 3, 10; Dt 27, 26
180) Jes 64, 6


63. Verdienen aber unsere guten Werke nichts, so sie doch Gott in diesem und zukünftigem Leben will belohnen?
Diese Belohnung geschieht nicht aus Verdienst, sondern aus Gnaden.(181)

181) Lk 17, 10


64. Macht aber diese Lehre nicht sorglose und verruchte Leute?
Nein, denn es unmöglich ist, daß die, so Christo durch wahren Glauben sind eingepflanzt, nicht Frucht der Dankbarkeit sollen bringen.(182)

182) Mt 7, 18


65. Dieweil denn allein der Glaube uns Christi und aller seiner Wohltaten teilhaftig macht, woher kommt solcher Glaube?
Der Heilige Geist wirkt denselben in unsern Herzen(183) durch die Predigt des heiligen Evangeliums und bestätigt den durch den Gebrauch der heiligen Sakramente(184).

183) Eph 2, 8; Eph 2, 9; Joh 3, 5
184) Mt 28, 19; Mt 28, 20; 1.Petr 1, 22; 1.Petr 1, 23


66. Was sind die Sakramente?
Es sind sichtbare, heilige Wahrzeichen und Siegel, von Gott dazu eingesetzt, daß er uns durch den Gebrauch derselben die Verheißung des Evangeliums desto besser zu verstehen gäbe und versiegele; nämlich, daß er uns von wegen des einigen Opfers Christi, am Kreuz vollbracht, Vergebung der Sünden und ewiges Leben aus Gnaden schenke.(185)

185) Gen 17, 11; Rom 4, 11; Dt 30, 6; Lev 6, 25; Hebr 9, 8; Hebr 9, 9; Hebr 9, 24; Hes 20, 12


67. Sind denn beide, das Wort und die Sakramente, dahin gerichtet, daß sie unsern Glauben auf das Opfer Jesu Christi am Kreuz als auf den einigen Grund unserer Seligkeit weisen?
Ja freilich, denn der Heilige Geist lehret im Evangelium und bestätiget durch die heiligen Sakramente, daß unsere ganze Seligkeit stehe in dem einigen Opfer Christi, für uns am Kreuz geschehen.(186)

186) Rom 6, 3; Gal 3, 27


68. Wieviel Sakramente hat Christus im Neuen Testament eingesetzt?
Zwei: die heilige Taufe und das heilige Abendmahl.


69. Wie wirst du in der heiligen Taufe erinnert und versichert, daß das einige Opfer Christi am Kreuz dir zugute komme?
Also, daß Christus dies äußerliche Wasserbad eingesetzt(187) und dabei verheißen hat(188), daß ich so gewiß mit seinem Blut und Geist von der Unreinigkeit meiner Seele, das ist allen meinen Sünden, gewaschen sei, so gewiß ich äußerlich mit dem Wasser, welches die Unsauberkeit des Leibs pflegt hinzunehmen, gewaschen bin(189).

187) Mt 28, 19; Mt 28, 20; Apg 2, 38
188) Mt 3, 11; Mk 16, 16; Rom 6, 3; Rom 6, 4
189) Mk 1, 4; Lk 3, 3


70. Was heißt mit dem Blut und Geist Christi gewaschen sein?
Es heißt Vergebung der Sünden von Gott aus Gnaden haben um des Bluts Christi willen, welches er in seinem Opfer am Kreuz für uns vergossen hat(190); darnach auch durch den Heiligen Geist erneuert und zu einem Glied Christi geheiliget sein, daß wir je länger, je mehr der Sünden absterben und in einem gottseligen, unsträflichen Leben wandlen(191).

190) Hebr 12, 24; 1.Petr 1, 2; Offb 1, 5; Sach 13, 1; Hes 36, 25
191) Joh 1, 33; Joh 3, 5; 1.Kor 6, 11; 1.Kor 12, 13; Rom 6, 4; Kol 2, 12


71. Wo hat Christus verheißen, daß wir so gewiß mit seinem Blut und Geist als mit dem Taufwasser gewaschen sind?
In der Einsetzung der Taufe, welche also lautet: »Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohns und des Heiligen Geists.«(192) - »Wer da glaubet und getaufet wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.«(193) Diese Verheißung wird auch wiederholet, da die Schrift die Taufe das Bad der Wiedergeburt(194) und Abwaschung der Sünden nennet(195).

192) Mt 28, 19
193) Mk 16, 16
194) Tit 3, 5
195) Apg 22, 16


72. Ist denn das äußerliche Wasserbad die Abwaschung der Sünden selbst?
Nein(196), denn allein das Blut Jesu Christi und der Heilige Geist reiniget uns von allen Sünden(197).

196) Mt 3, 11; 1.Petr 3, 21; Eph 5, 26; Eph 5, 27
197) 1.Joh 1, 7; 1.Kor 6, 11


73. Warum nennet denn der Heilige Geist die Taufe das Bad der Wiedergeburt und die Abwaschung der Sünden?
Gott redet also nicht ohne große Ursache: Nämlich, nicht allein, daß er uns damit will lehren, daß, gleichwie die Unsauberkeit des Leibs durch Wasser, also unsere Sünden durch Blut und Geist Christi hinweggenommen werden(198), sondern vielmehr, daß er uns durch dies göttliche Pfand und Wahrzeichen will versichern, daß wir so wahrhaftig von unsern Sünden geistlich gewaschen sind, als wir mit dem leiblichen Wasser gewaschen werden(199).

198) Apg 1, 5; Apg 7, 14; 1.Kor 6, 11
199) Mk 16, 16; Gal 3, 17


74. Soll man auch die jungen Kinder taufen?
Ja, denn dieweil sie, sowohl als die Alten, in den Bund Gottes und in seine Gemeinde gehören(200) und ihnen in dem Blut Christi die Erlösung von Sünden(201) und der Heilige Geist, welcher den Glauben wirket, nicht weniger denn den Alten zugesagt wird(202), so sollen sie auch durch die Taufe als des Bunds Zeichen der christlichen Kirche eingeleibt und von der Ungläubigen Kinder unterschieden werden(203), wie im Alten Testament durch die Beschneidung geschehen ist(204), an welcher Statt im Neuen Testament die Taufe ist eingesetzt(205).

200) Gen 17, 7
201) Mt 19, 14
202) Lk 1, 14; Lk 1, 15; Ps 22, 11; Jes 44, 1-3; Apg 2, 39
203) Apg 10, 47
204) Gen 17, 14
205) Kol 2, 11-13


75. Wie wirst du im heiligen Abendmahl erinnert und versichert, daß du an dem einigen Opfer Christi am Kreuz und allen seinen Gütern Gemeinschaft habest?
Also, daß Christus mir und allen Gläubigen von diesem gebrochnen Brot zu essen und von diesem Kelch zu trinken befohlen hat zu seinem Gedächtnis und dabei verheißen(206) erstlich, daß sein Leib so gewiß für mich am Kreuz geopfert und gebrochen und sein Blut für mich vergossen sei, so gewiß ich mit Augen sehe, daß das Brot des Herrn mir gebrochen und der Kelch mir mitgeteilet wird; und zum andern, daß er selbst meine Seele mit seinem gekreuzigten Leib und vergoßnen Blut so gewiß zum ewigen Leben speise und tränke, als ich aus der Hand des Dieners empfange und leiblich nieße das Brot und den Kelch des Herrn, welche mir als gewisse Wahrzeichen des Leibs und Bluts Christi gegeben werden.

206) Mt 26, 26-28; Mk 14, 22-24; Lk 22, 19; Lk 22, 20; 1.Kor 10, 16; 1.Kor 10, 17; 1.Kor 11, 23-25; 1.Kor 12, 13


76. Was heißt, den gekreuzigten Leib Christi essen und sein vergossenes Blut trinken?
Es heißt nicht allein, mit gläubigem Herzen das ganze Leiden und Sterben Christi annehmen und dadurch Vergebung der Sünden und ewiges Leben bekommen(207), sondern auch daneben, durch den Heiligen Geist, der zugleich in Christo und in uns wohnet, also mit seinem gebenedeiten Leib je mehr und mehr vereiniget werden(208), daß wir, obgleich er im Himmel(209) und wir auf Erden sind, dennoch Fleisch von seinem Fleisch und Bein von seinen Beinen sind(210) und von einem Geist (wie die Glieder unsers Leibes von einer Seele) ewig leben und regieret werden(211).

207) Joh 6, 35; Joh 6, 40; Joh 6, 47-54
208) Joh 6, 55; Joh 6, 56
209) Apg 3, 21; 1.Kor 11, 26
210) Eph 3, 16; Eph 3, 17; Eph 5, 29; Eph 5, 30; Eph 5, 32; 1.Kor 6, 15; 1.Kor 6, 17; 1.Kor 6, 19; 1.Joh 3, 24; 1.Joh 4, 13
211) Joh 14, 23; Joh 6, 56-58; Joh 15, 1-6; Eph 4, 15; Eph 4, 16


77. Wo hat Christus verheißen, daß er die Gläubigen so gewiß also mit seinem Leib und Blut speise und tränke, als sie von diesem gebrochnen Brot essen und von diesem Kelch trinken?
In der Einsetzung des Abendmahls, welche also lautet(212): »Unser Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankete und brach’s und sprach: Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird; solches tut zu meinem Gedächtnis. Desselbengleichen auch den Kelch nach dem Abendmahl und sprach: Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, solches tut, sooft ihr’s trinket, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot esset und von diesem Kelch trinket, sollt ihr des Herren Tod verkündigen, bis daß er kommt.« Und diese Verheißung wird auch wiederholet durch St. Paulum(213), der da spricht: »Der Kelch der Danksagung, damit wir danksagen: Ist er nicht die Gemeinschaft des Bluts Christi? Das Brot, das wir brechen: Ist das nicht die Gemeinschaft des Leibs Christi? Denn ein Brot ist’s, so sind wir vielen ein Leib, dieweil wir alle eines Brots teilhaftig sind.«

212) 1.Kor 11, 23-25; Mt 26, 26-28; Mk 14, 22-24; Lk 22, 19; Lk 22, 20
213) 1.Kor 10, 16; 1.Kor 10, 17


78. Wird denn aus Brot und Wein der wesentliche Leib und Blut Christi?
Nein, sondern wie das Wasser in der Taufe nicht in das Blut Christi verwandlet oder die Abwaschung der Sünden selbst wird, deren es allein ein göttliches Wahrzeichen und Versicherung ist(214), also wird auch das heilige Brot im Abendmahl nicht der Leib Christi selbst(215), wiewohl es nach Art und Brauch der Sakramente(216) der Leib Christi genennet wird.

214) Mt 26, 29; Mk 14, 24
215) 1.Kor 10, 16; 1.Kor 10, 17; 1.Kor 11, 26-28
216) Gen 17, 10; Gen 17, 11Gen 17, 14Gen 17, 19; Ex 12, 27; Ex 12, 43; Ex 12, 48; Tit 3, 5; 1.Petr 3, 21; 1.Kor 10, 1-4


79. Warum nennet denn Christus das Brot seinen Leib und den Kelch sein Blut oder das neue Testament in seinem Blut, und St. Paulus die Gemeinschaft des Leibs und Bluts Jesu Christi?
Christus redet also nicht ohne große Ursache: Nämlich, daß er uns nicht allein will lehren, daß, gleichwie Brot und Wein das zeitliche Leben erhalten, also sei auch sein gekreuzigter Leib und vergossenes Blut die wahre Speis und Trank unserer Seele zum ewigen Leben(217), sondern vielmehr, daß er uns durch dies sichtbare Zeichen und Pfand will versichern, daß wir so wahrhaftig seines wahren Leibs und Bluts durch Wirkung des Heiligen Geists teilhaftig werden, als wir diese heiligen Wahrzeichen mit dem leiblichen Mund zu seinem Gedächtnis empfangen(218), und daß all sein Leiden und Gehorsam so gewiß unser eigen sei, als hätten wir selbst in unserer eigenen Person alles gelitten und genüge getan.

217) Joh 6, 51; Joh 6, 55
218) 1.Kor 10, 16; 1.Kor 10, 17


80. Was ist für ein Unterschied zwischen dem Abendmahl des Herrn und der päpstlichen Messe?
Das Abendmahl bezeuget uns, daß wir vollkommene Vergebung aller unserer Sünden haben durch das einige Opfer Jesu Christi, so er selbst einmal am Kreuz vollbracht hat(219), und daß wir durch den Heiligen Geist Christo werden eingeleibt(220), der jetzt mit seinem wahren Leib im Himmel zur Rechten des Vaters ist(221) und daselbst will angebetet werden(222). Die Messe aber lehret, daß die Lebendigen und die Toten nicht durch das Leiden Christi Vergebung der Sünden haben, es sei denn, daß Christus noch täglich für sie von den Meßpriestern geopfert werde. Und daß Christus leiblich unter der Gestalt Brots und Weins sei und derhalben darin soll angebetet werden. Und ist also die Messe im Grund nichts anders denn eine Verleugnung des einigen Opfers und Leidens Jesu Christi(223) und eine vermaledeite Abgötterei.

219) Hebr 7, 27; Hebr 9, 12; Hebr 9, 25-28; Hebr 10, 10; Hebr 10, 12-14; Joh 19, 30; Mt 26, 28; Lk 22, 19; Lk 22, 20
220) 1.Kor 6, 17; 1.Kor 10, 16
221) Hebr 1, 3; Hebr 8, 1; Hebr 8, 2
222) Joh 4, 21-24; Joh 20, 17; Lk 24, 52; Apg 7, 55; Apg 7, 56; Kol 3, 1; Phil 3, 20; Phil 3, 21; 1.Thess 1, 10
223) Hebr 9, 6-10; Hebr 10, 19-31


81. Welche sollen zu dem Tisch des Herren kommen?
Die sich selbst um ihrer Sünde willen mißfallen und doch vertrauen, daß dieselbige ihnen verziehen und die übrige Schwachheit mit dem Leiden und Sterben Christi bedeckt sei, begehren auch je mehr und mehr, ihren Glauben zu stärken und ihr Leben zu bessern. Die Unbußfertigen aber und Heuchler essen und trinken sich selbst das Gericht.(224)

224) 1.Kor 10, 21; 1.Kor 11, 28; 1.Kor 11, 29


82. Sollen aber zu diesem Abendmahl auch zugelassen werden, die sich mit ihrem Bekenntnis und Leben als Ungläubige und Gottlose erzeigen?
Nein, denn es wird also der Bund Gottes geschmäht und sein Zorn über die ganze Gemeinde gereizet.(225) Derhalben die christliche Kirche schuldig ist, nach der Ordnung Christi und seiner Apostel solche bis zur Besserung ihres Lebens durch das Amt der Schlüssel auszuschließen.

225) 1.Kor 11, 20; 1.Kor 11, 34; Jes 1, 11-15; Jes 66, 3; Jer 7, 21-23; Ps 50, 16


83. Was ist das Amt der Schlüssel?
Die Predigt des heiligen Evangeliums und die christliche Bußzucht, durch welche beiden Stücke das Himmelreich den Gläubigen aufgeschlossen und den Ungläubigen zugeschlossen wird.(226)

226) Mt 16, 18; Mt 16, 19; Mt 18, 15-18


84. Wie wird das Himmelreich durch die Predigt des heiligen Evangeliums auf- und zugeschlossen?
Also, daß nach dem Befehl Christi allen und jeden Gläubigen verkündigt und öffentlich bezeuget wird, daß ihnen, sooft sie die Verheißung des Evangeliums mit wahrem Glauben annehmen, wahrhaftig alle ihre Sünden von Gott um des Verdiensts Christi willen vergeben sind. Und herwiederum allen Ungläubigen und Heuchlern, daß der Zorn Gottes und die ewige Verdammnis auf ihnen liegt, solang sie sich nicht bekehren.(227) Nach welchem Zeugnis des Evangeliums Gott beide in diesem und zukünftigen Leben urteilen will.

227) Joh 20, 21-23; Mt 16, 19


85. Wie wird das Himmelreich zu- und aufgeschlossen durch die christliche Bußzucht?
Also, daß nach dem Befehl Christi diejenigen, so unter dem christlichen Namen unchristliche Lehre oder Wandel führen, nachdem sie etliche Male brüderlich vermahnet sind und von ihren Irrtümern oder Lastern nicht abstehen, der Kirche oder denen, so von der Kirche dazu verordnet sind, angezeigt, und so sie sich an derselben Vermahnung auch nicht kehren, von ihnen durch Verbietung der heiligen Sakramente aus der christlichen Gemeinde und von Gott selbst aus dem Reich Christi werden ausgeschlossen, und wiederum als Glieder Christi und der Kirche angenommen, wenn sie wahre Besserung verheißen und erzeigen.(228)

228) Mt 18, 15-18; 1.Kor 5, 2-5; 2.Thess 3, 14; 2.Thess 3, 15; 2.Joh 10; 2.Joh 11


86. Dieweil wir denn aus unserm Elend ohne alle unsere Verdienste aus Gnaden durch Christum erlöset sind, warum sollen wir gute Werke tun?
Darum, daß Christus, nachdem er uns mit seinem Blut erkauft hat, uns auch durch seinen Heiligen Geist erneuert zu seinem Ebenbild, daß wir mit unserm ganzen Leben uns dankbar gegen Gott für seine Wohltat erzeigen(229) und er durch uns gepriesen werde(230). Darnach auch, daß wir bei uns selbst unsers Glaubens aus seinen Früchten gewiß seien(231) und mit unserm gottseligen Wandel unsere Nächsten auch Christo gewinnen(232).

229) Rom 6, 13; Rom 12, 1; Rom 12, 2; 1.Petr 2, 5; 1.Petr 2, 9; 1.Petr 2, 10; 1.Kor 6, 20
230) Mt 5, 16; 1.Petr 2, 12
231) 1.Petr 1, 61.Petr 1, 7; Mt 7, 17; Gal 5, 6; Gal 5, 22; Gal 5, 23
232) 1.Petr 3, 1; 1.Petr 3, 2; Rom 14, 19


87. Können denn die nicht selig werden, die sich von ihrem undankbaren, unbußfertigen Wandel zu Gott nicht bekehren?
Keineswegs, denn wie die Schrift saget: »Kein Unkeuscher, Abgöttischer, Ehebrecher, Dieb, Geiziger, Trunkenbold, Lästerer, Räuber und dergleichen wird das Reich Gottes erben.«(233)

233) 1.Kor 6, 9; 1.Kor 6, 10; Eph 5, 5; Eph 5, 6; 1.Joh 3, 14


88. In wieviel Stücken stehet die wahrhaftige Buße oder Bekehrung des Menschen?
In zweien Stücken: in Absterbung des alten(234) und Auferstehung des neuen Menschen.

234) Rom 6, 4-6; Eph 4, 22-24; Kol 3, 5-10; 1.Kor 5, 7


89. Was ist die Absterbung des alten Menschen?
Sich die Sünde von Herzen leid sein und dieselbige je länger, je mehr hassen und fliehen.(235)

235) Rom 8, 13; Joel 2, 13


90. Was ist die Auferstehung des neuen Menschen?
Herzliche Freude in Gott durch Christum(236) und Lust und Liebe haben, nach dem Willen Gottes in allen guten Werken zu leben(237).

236) Rom 5, 1; Rom 14, 17; Jes 57, 15
237) Rom 6, 10; Rom 6, 11; Gal 2, 20

91. Welches sind aber gute Werke?
Allein, die aus wahrem Glauben(238) nach dem Gesetz Gottes(239) ihm zu Ehren geschehen(240), und nicht, die auf unser Gutdünken oder Menschensatzung gegründet sind(241).

238) Rom 14, 23
239) 1.Sam 15, 22; Eph 2, 10
240) 1.Kor 10, 31
241) Dt 12, 32; Hes 20, 18; Hes 20, 19; Jes 29, 13; Mt 15, 9


92. Wie lautet das Gesetz des Herrn?
Gott redet alle diese Worte:

Das erste Gebot
Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus dem Ägyptenland, aus dem Diensthaus, geführet habe. Du sollst keine anderen Götter vor mir haben.(242)

Das andere
Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder dessen, das oben im Himmel, noch dessen, das unten auf Erden, oder dessen, das im Wasser unter der Erde ist. Du sollst sie nicht anbeten noch ihnen dienen. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein starker, eiferiger Gott, der die Missetat der Väter heimsucht an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied derer, die mich hassen; und tue Barmherzigkeit an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.

Das dritte
Du sollst den Namen des Herren, deines Gottes, nicht mißbrauchen. Denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht.

Das vierte
Gedenk des Sabbattags, daß du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun, aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herren, deines Gottes, da sollst du keine Arbeit tun, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch der Fremdling, der in deinen Toren ist. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was drinnen ist, und ruhete am siebenten Tage; darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn.

Das fünfte
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß du lang lebest im Land, das dir der Herr, dein Gott, gibt.

Das sechste
Du sollst nicht töten.

Das siebente
Du sollst nicht ehebrechen.

Das achte
Du sollst nicht stehlen.

Das neunte
Du sollst kein falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Das zehnte
Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Hauses; laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Weibs, noch seines Knechts, noch seiner Magd, noch seines Ochsen, noch seines Esels, noch alles, das dein Nächster hat.

242) Ex 20, 1-17; Dt 5, 6-21


93. Wie werden diese Gebote geteilt
In zwo Tafeln(243), deren die erste in vier Geboten lehret, wie wir uns gegen Gott sollen halten, die andere in sechs Geboten, was wir unserem Nächsten schuldig sind(244).

243) Ex 34, 28; Dt 4, 13; Dt 10, 3; Dt 10, 4
244) Mt 22, 37-39


94. Was erfordert der Herr im ersten Gebot?
Daß ich bei Verlierung meiner Seele Heil und Seligkeit alle Abgötterei(245), Zauberei, abergläubische Segen(246), Anrufung der Heiligen oder anderer Kreaturen(247) meiden und fliehen soll und den einigen wahren Gott recht erkennen(248), ihm allein vertrauen(249), in aller Demut(250) und Geduld(251) von ihm allein alles Gute gewarten(252) und ihn von ganzem Herzen lieben(253), fürchten(254) und ehren(255), also daß ich eher alle Kreaturen aufgebe, denn im geringsten wider seinen Willen tue(256).

245) 1.Kor 6, 9; 1.Kor 6, 10; 1.Kor 10, 7; 1.Kor 10, 14
246) Lev 19, 31; Dt 18, 10-12
247) Mt 4, 10; Offb 19, 10; Offb 22, 8; Offb 22, 9
248) Joh 17, 3
249) Jer 17, 5
250) 1.Petr 5, 5; 1.Petr 5, 6
251) Hebr 10, 36; Kol 1, 11; Rom 5, 3; Rom 5, 4; 1.Kor 10, 10; Phil 2, 14
252) Ps 104, 27-30; Jes 45, 7; Jak 1, 17
253) Dt 6, 5; Mt 22, 37
254) Dt 6, 2; Ps 111, 10; Spr 1, 7; Spr 9, 10; Mt 10, 28
255) Mt 4, 10; Dt 10, 20; Dt 10, 21
256) Mt 5, 29; Mt 5, 30; Mt 10, 37; Apg 5, 29


95. Was ist Abgötterei?
Anstatt des einigen wahren Gottes, der sich in seinem Wort hat offenbaret, oder neben demselbigen etwas anderes dichten oder haben, darauf der Mensch sein Vertrauen setzt.16

257) Eph 5, 5; 1. Chron. 16, 26; Phil 3, 19; Gal 4, 8; Eph 2, 12; 1.Joh 2, 23; 2.Joh 9; Joh 5, 23


96. Was will Gott im andern Gebot?
Daß wir Gott in keinem Weg verbilden(258), noch auf irgendeine andere Weise, denn er in seinem Wort befohlen hat, verehren sollen(259).

258) Dt 4, 15-19; Jes 40, 18-25; Rom 1, 23; Rom 1, 24; Apg 17, 29
259) 1.Sam 15, 23; Dt 12, 30-32; Mt 15, 9


97. Soll man denn gar kein Bildnis machen?
Gott kann und soll keineswegs abgebildet werden; die Kreaturen aber, ob sie schon mögen abgebildet werden, so verbietet doch Gott, derselbigen Bildnis zu machen und zu haben, daß man sie verehre oder ihm damit diene.(260)

260) Ex 23, 24; Ex 23, 25; Ex 34, 13; Ex 34, 14; 4. Mos. 33, 52; Dt 7, 5; Dt 12, 3; Dt 16, 22; 2. Kon 18, 3; 2. Kon 18, 4


98. Mögen aber nicht die Bilder als der Laien Bücher in den Kirchen geduldet werden?
Nein, denn wir nicht sollen weiser sein denn Gott, welcher seine Christenheit nicht durch stumme Götzen(261), sondern durch die lebendige Predigt seines Worts will unterwiesen haben(262).

261) Jer 10, 8; Hab 2, 18; Hab 2, 19
262) 2. Petr 1, 19; 2.Tim 3, 16; 2.Tim 3, 17


99. Was will das dritte Gebot?
Daß wir nicht allein mit Fluchen(263) oder mit falschem Eide(264), sondern auch mit unnötigem Schwören(265) den Namen Gottes nicht lästern oder mißbrauchen, noch uns mit unserm Stillschweigen und Zusehen solcher schrecklicher Sünden teilhaftig machen. Und in Summa, daß wir den heiligen Namen Gottes anders nicht, denn mit Furcht und Ehrerbietung gebrauchen(266), auf daß er von uns recht bekannt(267), angerufen(268) und in allen unsern Worten und Werken(269) gepriesen werde.

263) Lev 24, 11-16
264) Lev 19, 12
265) Mt 5, 37; Jak 5, 12
266) Jes 45, 23
267) Mt 10, 32
268) 1.Tim 2, 8
269) Rom 2, 24; 1.Tim 6, 1; Kol 3, 16; Kol 3, 17


100. Ist denn mit Schwören und Fluchen Gottes Namen Lästern so eine schwere Sünde, daß Gott auch über die zürnet, die, soviel an ihnen ist, dieselbe nicht helfen wehren und verbieten?
Ja freilich(270), denn keine Sünde größer ist, noch Gott heftiger erzürnet, denn Lästerung seines Namens, darum er sie auch mit dem Tod zu strafen befohlen hat(271).

270) Lev 5, 1
271) Lev 24, 15; Lev 24, 16


101. Mag man aber auch gottselig bei dem Namen Gottes einen Eid schwören?
Ja, wenn es die Obrigkeit von ihren Untertanen oder sonst die Not erfordert, Treue und Wahrheit zu Gottes Ehre und des Nächsten Heil dadurch zu erhalten und zu fördern. Denn solches Eidschwören ist in Gottes Wort gegründet(272) und derhalben von den Heiligen im Alten und Neuen Testament recht gebrauchet worden(273).

272) Dt 6, 13; Dt 10, 20; Jes 48, 1; Hebr 6, 16
273) Gen 21, 24; Gen 31, 53; Gen 31, 54; Jos 9, 15; Jos 9, 19; 1.Sam 24, 23; 2.Sam 3, 35; 1.Kon 1, 28-30; Rom 1, 9; 2.Kor 1, 23


102. Mag man auch bei den Heiligen oder andern Kreaturen Eid schwören?
Nein, denn ein rechtmäßiger Eid ist eine Anrufung Gottes, daß er als der einige Herzkündiger der Wahrheit Zeugnis wolle geben und mich strafen, so ich falsch schwöre(274), welche Ehre denn keiner Kreatur gebühret(275).

274) 2.Kor 1, 23
275) Mt 5, 34-36; Jak 5, 12


103. Was will Gott in dem vierten Gebot?
Gott will erstlich, daß das Predigtamt und Schulen erhalten werden(276) und ich sonderlich am Feiertag zu der Gemeinde Gottes fleißig komme(277), das Wort Gottes zu lernen(278), die heiligen Sakramente zu gebrauchen(279), den Herren öffentlich anzurufen(280) und das christliche Almosen zu geben(281). Zum andern, daß ich alle Tage meines Lebens von meinen bösen Werken feiere, den Herren durch seinen Geist in mir wirken lasse und also den ewigen Sabbat in diesem Leben anfange.(282)

276) Tit 1, 5; 1.Tim 3; 1.Tim 4, 13; 1.Tim 5, 17; 1.Kor 9, 11; 1.Kor 9, 13; 1.Kor 9, 14; 2.Tim 2, 2; 2.Tim 3, 15
277) Ps 40, 10; Ps 40, 11; Ps 68, 27; Apg 2, 42; Apg 2, 46
278) 1.Kor 14, 19; 1.Kor 14, 29; 1.Kor 14, 31
279) 1.Kor 11, 33
280) 1.Tim 2, 1-3; 1.Tim 2, 8-11; 1.Kor 14, 16
281) 1.Kor 16, 2
282) Jes 66, 23


104. Was will Gott im fünften Gebot?
Daß ich meinem Vater und Mutter und allen, die mir vorgesetzt sind, alle Ehre, Liebe und Treue beweisen und mich aller guten Lehre und Strafe mit gebührlichem Gehorsam unterwerfen(283) und auch mit ihren Gebrechen Geduld haben soll(284), dieweil uns Gott durch ihre Hand regieren will(285).

283) Eph 5, 22; Eph 6, 1-4; Kol 3, 18; Kol 3, 20-24; Spr 1, 8; Spr 4, 1; Spr 4, 15; Spr 4, 20; Spr 20, 20; Ex 21, 17; Rom 13, 1-7
284) Spr 23, 22; Gen 9, 24; Gen 9, 25; 1.Petr 2, 18
285) Eph 6, 4; Eph 6, 9; Kol 3, 19; Kol 3, 21; Rom 13, 1-6; Mt 22, 21


105. Was will Gott in dem sechsten Gebot?
Daß ich meinen Nächsten weder mit Gedanken, noch mit Worten oder Gebärden, viel weniger mit der Tat, durch mich selbst oder andere schmähen, hassen, beleidigen oder töten(286), sondern alle Rachgierigkeit ablegen(287), auch mich selbst nicht beschädigen oder mutwillig in Gefahr begeben soll(288). Darum auch die Obrigkeit, dem Totschlag zu wehren, das Schwert trägt.(289)

286) Mt 5, 21; Mt 5, 22; Mt 26, 52; Gen 9, 6
287) Eph 4, 26; Rom 12, 19; Mt 5, 25; Mt 18, 35
288) Rom 13, 14; Kol 2, 23; Sir 3, 27; Mt 4, 7
289) Gen 9, 6; Ex 21, 14; Mt 26, 52; Rom 13, 4


106. Redet doch dies Gebot allein vom Töten?
Es will uns aber Gott durch Verbietung des Totschlags lehren, daß er die Wurzel des Totschlags, als Neid(290), Haß(291), Zorn(292), Rachgierigkeit, hasset und daß solches alles vor ihm ein heimlicher Totschlag seie(293).

290) Rom 1, 29
291) 1.Joh 2, 9; 1.Joh 2, 11
292) Jak 2, 13; Gal 5, 19-21
293) 1.Joh 3, 15


107. Ist’s aber damit genug, daß wir unsern Nächsten, wie gemeldet, nicht töten?
Nein. Denn indem Gott Neid, Haß und Zorn verdammt, will er von uns haben, daß wir unsern Nächsten lieben als uns selbst(294), gegen ihn Geduld, Friede, Sanftmut(295), Barmherzigkeit(296) und Freundlichkeit(297) erzeigen, seinen Schaden, soviel uns möglich, abwenden(298) und auch unsern Feinden Gutes tun(299).

294) Mt 7, 12; Mt 22, 39
295) Eph 4, 2; Gal 6, 1-2; Mt 5, 9; Rom 12, 18
296) Mt 5, 7; Lk 6, 36
297) Rom 12, 10; Rom 12, 15
298) Ex 23, 5
299) Mt 5, 44; Mt 5, 45; Rom 12, 20; Rom 12, 21


108. Was will das siebente Gebot?
Daß alle Unkeuschheit von Gott vermaledeit sei(300) und daß wir darum ihr von Herzen feind sein(301) und keusch und züchtig leben sollen(302), es sei im heiligen Ehestand oder außerhalb desselben(303).

300) Lev 18, 27; Lev 18, 28
301) Jud 23
302) 1.Thess 4, 3-5
303) Hebr 13, 4; 1.Kor 7, 1-11; 1.Kor 7, 25-31


109. Verbietet Gott in diesem Gebot nichts mehr denn Ehebruch und dergleiche Schanden?
Dieweil beide, unser Leib und Seele, Tempel des Heiligen Geists sind, so will er, daß wir sie beide sauber und heilig bewahren; verbietet derhalben alle unkeuschen Taten, Gebärden, Worte(304), Gedanken, Lust(305) und was den Menschen dazu reizen mag(306).

304) Eph 5, 3; Eph 5, 4; 1.Kor 6, 18-20
305) Mt 5, 27-32
306) Eph 5, 18; 1.Kor 15, 33


110. Was verbietet Gott im achten Gebot?
Er verbietet nicht allein den Diebstahl(307) und Räuberei(308), welche die Obrigkeit straft; sondern Gott nennet auch Diebstahl alle bösen Stücke und Anschläge, damit wir unsers Nächsten Gut gedenken an uns zu bringen, es sei mit Gewalt oder Schein des Rechtes(309), als unrechtem Gewicht(310), Ellen, Maß(311), Ware, Münze, Wucher(312) oder durch einiges Mittel, das von Gott verboten ist, dazu auch allen Geiz(313) und unnütze Verschwendung seiner Gaben(314).

307) 1.Kor 6, 10
308) 1.Kor 5, 10
309) Lk 3, 14; 1.Thess 4, 6
310) Spr 11, 1; Spr 16, 11
311) Hes 45, 9-12; Dt 25, 13-16
312) Ps 15, 5; Lk 6, 35
313) 1.Kor 6, 10
314) Spr 5, 16


111. Was gebietet dir aber Gott in diesem Gebot?
Daß ich meines Nächsten Nutz, wo ich kann und mag, fördere, gegen ihn also handle, wie ich wollte, daß man mit mir handlete(315), und treulich arbeite, auf daß ich dem Dürftigen in seiner Not helfen möge(316).

315) Mt 7, 12
316) Eph 4, 28


112. Was will das neunte Gebot?
Daß ich wider niemand falsches Zeugnis gebe(317), niemand seine Worte verkehre(318), kein Afterredner und Lästerer seie(319), niemand unverhört und leichtlich verdammen helfe(320), sondern allerlei Lug und Trug als eigene Werke des Teufels(321) bei schwerem Gotteszorn vermeide(322), in Gerichts- und allen andern Handlungen die Wahrheit liebe, aufrichtig sage und bekenne(323), auch meines Nächsten Ehre und Glimpf nach meinem Vermögen rette und fördere(324).

317) Spr 19, 5; Spr 19, 9; Spr 21, 28
318) Ps 15, 3
319) Rom 1, 29; Rom 1, 30
320) Mt 7, 1; Mt 7, 2; Lk 6, 37
321) Joh 8, 44
322) Spr 12, 22; Spr 13, 5
323) 1.Kor 13, 6; Eph 4, 25
324) 1.Petr 4, 8


113. Was will das zehnte Gebot?
Daß auch die geringste Lust oder Gedanken wider irgendein Gebot Gottes in unser Herz nimmermehr kommen, sondern wir für und für von ganzem Herzen aller Sünde feind sein und Lust zu aller Gerechtigkeit haben sollen.(325)

325) Rom 7, 7


114. Können aber, die zu Gott bekehret sind, solche Gebote vollkömmlich halten?
Nein, sondern es haben auch die Allerheiligsten, solang sie in diesem Leben sind, nur einen geringen Anfang dieses Gehorsams(326), doch also, daß sie mit ernstlichem Vorsatz nicht allein nach etlichen, sondern nach allen Geboten Gottes anfangen zu leben(327).

326) 1.Joh 1, 8-10; Rom 7, 14; Rom 7, 15; Pred 7, 20}
327) Rom 7, 22; Jak 2, 10


115. Warum läßt uns denn Gott also scharf die Zehn Gebote predigen, weil sie in diesem Leben niemand halten kann?
Erstlich, auf daß wir unser ganzes Leben lang unsere sündliche Art je länger, je mehr erkennen(328) und soviel desto begieriger Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit in Christo suchen(329). Darnach, daß wir ohne Unterlaß uns befleißen und Gott bitten um die Gnade des Heiligen Geists, daß wir je länger, je mehr zu dem Ebenbild Gottes erneuert werden, bis wir das Ziel der Vollkommenheit nach diesem Leben erreichen.(330)

328) 1.Joh 1, 9; Ps 32, 5
329) Rom 7, 24; Rom 7, 25
330) 1.Kor 9, 24; Phil 3, 11-14


116. Warum ist den Christen das Gebet nötig?
Darum, daß es das vornehmste Stück der Dankbarkeit ist, welche Gott von uns erfordert(331), und daß Gott seine Gnade und Heiligen Geist allein denen will geben, die ihn mit herzlichem Seufzen ohne Unterlaß darum bitten und ihm dafür danken(332).

331) Ps 50, 14; Ps 50, 15
332) Mt 7, 7; Mt 7, 8; Lk 11, 9; Lk 11, 10; Lk 11, 13; Mt 13, 12


117. Was gehöret zu einem solchen Gebet, das Gott gefalle und von ihm erhöret werde?
Erstlich, daß wir allein den einigen wahren Gott, der sich uns in seinem Wort hat offenbaret(333), um alles, das er uns zu bitten befohlen hat(334), von Herzen anrufen(335). Zum andern, daß wir unsere Not und Elend recht gründlich erkennen(336), uns vor dem Angesicht seiner Majestät zu demütigen(337). Zum dritten, daß wir diesen festen Grund haben(338), daß er unser Gebet, unangesehen, daß wir’s unwürdig sind, doch um des Herren Christi willen gewißlich wolle erhören(339), wie er uns in seinem Wort verheißen hat(340).

333) Joh 4, 22-24
334) Rom 8, 26; 1.Joh 5, 14
335) Joh 4, 23; Joh 4, 24
336) 2.Chr 20, 12
337) Ps 2, 11; Ps 34, 19; Jes 66, 2
338) Rom 10, 14; Jak 1, 6
339) Joh 14, 13-14; Dan 9, 17; Dan 9, 18
340) Mt 7, 8; Ps 143, 1


118. Was hat uns Gott befohlen, von ihm zu bitten?
Alle geistliche und leibliche Notdurft(341), welche der Herr Christus begriffen hat in dem Gebet, das er uns selbst gelehret.

341) Jak 1, 17; Mt 6, 33


119. Wie lautet dasselbe?
Unser Vater(342), der du bist in Himmeln, geheiliget werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel. Unser tägliches Brot gib uns heut. Und vergib uns unsere Schuld, als auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns vom Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit, amen.

342) Mt 6, 9-13; Lk 11, 2-4


120. Warum hat uns Christus befohlen, Gott also anzureden: »unser Vater«?
Daß er gleich im Anfang unsers Gebets in uns erwecke die kindliche Furcht und Zuversicht gegen Gott, welche der Grund unsers Gebets soll sein, nämlich, daß Gott unser Vater durch Christum worden sei und wolle uns viel weniger versagen, worum wir ihn im Glauben bitten, denn unsere Väter uns irdische Dinge abschlagen.(343)

343) Mt 7, 9-11; Lk 11, 11-13


121. Warum wird hinzugetan: »der du bist in Himmeln«?
Auf daß wir von der himmlischen Majestät Gottes nicht irdisch gedenken(344) und von seiner Allmächtigkeit alle Notdurft Leibs und der Seele gewarten(345).

344) Jer 23, 23; Jer 23, 24; Apg 17, 24; Apg 17, 25; Apg 17, 27
345) Rom 10, 12


122. Was ist die erste Bitte?
»Geheiliget werde dein Name«: Das ist, gib uns erstlich, daß wir dich recht erkennen(346) und dich in allen deinen Werken, in welchen leuchtet deine Allmächtigkeit, Weisheit, Güte, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Wahrheit, heiligen, rühmen und preisen(347). Darnach auch, daß wir unser ganzes Leben, Gedanken, Wort und Werk dahin richten, daß dein Name um unsertwillen nicht gelästert, sondern geehret und gepriesen werde.(348)

346) Joh 17, 3; Mt 16, 17; Jak 1, 5; Ps 119, 105
347) Ps 119, 137; Rom 11, 33-36
348) Ps 71, 8; Ps 115, 1


123. Was ist die andere Bitte?
»Zukomme dein Reich«: Das ist, regiere uns also durch dein Wort und Geist, daß wir uns dir je länger, je mehr unterwerfen(349); erhalte und mehre deine Kirche(350) und zerstöre die Werke des Teufels und alle Gewalt, die sich wider dich erhebt, und alle bösen Ratschläge, die wider dein heiliges Wort erdacht werden(351), bis die Vollkommenheit deines Reichs herzukomme(352), darin du wirst alles in allen sein(353).

349) Mt 6, 33; Ps 119, 5; Ps 143, 10
350) Ps 51, 20; Ps 122, 6-9
351) 1.Joh 3, 8; Rom 16, 20
352) Offb 22, 17; Offb 22, 20; Rom 8, 22; Rom 8, 23
353) 1.Kor 15, 28


124. Was ist die dritte Bitte?
»Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel«: Das ist, verleihe, daß wir und alle Menschen unserm eigenen Willen absagen(354) und deinem allein guten Willen ohne alles Widersprechen gehorchen(355), daß also jedermann sein Amt und Beruf so willig und treulich ausrichte(356) wie die Engel im Himmel(357).

354) Mt 16, 24; Tit 2, 12
355) Lk 22, 42
356) 1.Kor 7, 24
357) Ps 103, 20; Ps 103, 21


125. Was ist die vierte Bitte?
»Gib uns heut unser tägliches Brot«: Das ist, wollest uns mit aller leiblichen Notdurft versorgen(358), auf daß wir dadurch erkennen, daß du der einige Ursprung alles Guten bist(359) und daß ohne deinen Segen weder unsere Sorgen und Arbeit, noch deine Gaben uns gedeihen(360) und wir derhalben unser Vertrauen von allen Kreaturen abziehen und allein auf dich setzen(361).

358) Ps 104, 27; Ps 104, 28; Ps 145, 15; Ps 145, 16; Mt 6, 25; Mt 6, 26
359) Apg 14, 17; Apg 17, 27; Apg 17, 28
360) 1.Kor 15, 58; Dt 8, 3; Ps 37, 3-7; Ps 37, 16; Ps 37, 17
361) Ps 55, 23; Ps 62, 11


126. Was ist die fünfte Bitte?
»Vergib uns unsere Schuld, als auch wir vergeben unsern Schuldigern«: Das ist, wollest uns armen Sündern alle unsere Missetaten, auch das Böse, so uns noch immerdar anhänget, um des Bluts Christi willen nicht zurechnen(362), wie auch wir dies Zeugnis deiner Gnade in uns befinden, daß unser ganzer Vorsatz ist, unserm Nächsten von Herzen zu verzeihen(363).

362) Ps 51, 1-7Ps 143, 2; 1.Joh 2, 1; 1.Joh 2, 2
363) Mt 6, 14; Mt 6, 15


127. Was ist die sechste Bitte?
»Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns vom Bösen«: Das ist, dieweil wir aus uns selbst so schwach sind, daß wir nicht einen Augenblick bestehen können(364), und dazu unsere abgesagte Feinde, der Teufel(365), die Welt(366) und unser eigenes Fleisch(367), nicht aufhören, uns anzufechten, so wollest uns erhalten und stärken durch die Kraft des Heiligen Geistes, auf daß wir ihnen mögen festen Widerstand tun und in diesem geistlichen Streit nicht unterliegen(368), bis daß wir endlich den Sieg vollkömmlich behalten(369).

364) Joh 15, 5; Ps 103, 14
365) 1.Petr 5, 8; Eph 6, 12
366) Joh 15, 19
367) Rom 7, 23; Gal 5, 17
368) Mt 26, 41; Mk 13, 33
369) 1.Thess 3, 13; 1.Thess 5, 23


128. Wie beschließt du dies Gebet?
»Denn dein ist das Reich, die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit«: Das ist, solches alles bitten wir darum von dir, daß du als unser König, und aller Dinge mächtig, uns alles Gute geben willst und kannst(370) und daß dadurch nicht wir, sondern dein heiliger Name ewig soll gepriesen werden(371).

370) Rom 10, 11; Rom 10, 12; 2.Petr 2, 9
371) Joh 14, 13; Ps 115, 1


129. Was bedeutet das Wörtlein »amen«?
Amen heißt, das soll wahr und gewiß sein. Denn mein Gebet viel gewisser von Gott erhöret ist, denn ich in meinem Herzen fühle, daß ich solches von ihm begehre.(372)

372) 2.Kor 1, 20; 2.Tim 2, 13
 

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