Confessio Reformata

Reformierte Bekenntnisse auf einen Blick.

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Artikel 1 – Von der Heiligen Schrift

Artikel 1.1. Die göttliche Offenbarung

Obwohl das Licht der Natur und die Werke der Schöpfung und Fürsorge** die Güte, Weisheit und Macht Gottes so weit offenbaren***, daß sie die Menschen ohne Entschuldigung lassena, reichen sie doch nicht aus, um jene Erkenntnis Gottes und seines Willens zu geben, die zum Heil notwendig istb. Darum hat es dem Herrn gefallen, sich selbst zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichen Arten und Weisen seiner Kirche zu offenbaren und ihr diesen seinen Willen zu erklärenc und danach diesen zur besseren Bewahrung und Verbreitung der Wahrheit und zur sichereren Gründung und Stärkung der Kirche gegen die Verdorbenheit des Fleisches und die Bosheit Satans und der Welt ganz und gar der Schrift* anzuvertrauend. Dies macht die Heilige Schrift höchst notwendige, nachdem jene früheren Wege, auf denen Gott seinem Volk seinen Willen offenbarte, nunmehr aufgehört haben.f


**Oder: Erhaltung, Vorsehung (providence), gemeint ist Gottes fortwährende Herrschaft und Fürsorge über alles Geschaffene.

***Oder: manifestieren (manifest)

aRöm 2,14-15: "(14) Denn wenn Nationen, die von Natur kein Gesetz haben, dem Gesetz entsprechend handeln, so sind sich diese, die kein Gesetz haben, selbst ein Gesetz. (15) Sie beweisen, daß das Werk des Gesetzes in ihren Herzen geschrieben ist, indem ihr Gewissen mit Zeugnis gibt und ihre Gedanken sich untereinander anklagen oder auch entschuldigen". [Vgl. aber R 1,125-140; E 1,323-335]

Röm 1,19-20: "(19) ... weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, denn Gott hat es ihnen geoffenbart. (20) Denn Gottes unsichtbares Wesen, sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, wird seit der Erschaffung der Welt in dem Gemachten verstanden und geschaut, damit sie ohne Entschuldigung sind." [Vgl. R 1,64-103; E 1,28-52]

Ps 19,2-4: "(2) Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und das Himmelsgewölbe verkündet das Werk seiner Hände. (3) Ein Tag sprudelt dem anderen Kunde zu, und eine Nacht meldet der anderen Erkenntnis, (4) ohne Rede und ohne Worte, mit unhörbarer Stimme."

Röm 1,32 - 2,1: "(32) Obwohl sie Gottes Rechtsforderung erkennen, daß die, die solches tun, des Todes würdig sind, tun sie dies nicht nur, sondern haben auch Wohlgefallen an denen, die es tun. (1) Deshalb bist du, o Mensch, nicht zu entschuldigen, jeder, der richtet; denn worin du den anderen richtest, verurteilst du dich selbst; denn du, der du richtest, tust dasselbe."

b1Kor 1,21: "Denn da in der Weisheit Gottes die Welt Gott ja nicht durch die Weisheit erkannt hat, hat es Gott wohlgefallen, die Glaubenden durch die Torheit der Predigt zu erretten."

1Kor 2,13-14: "(13) Davon reden wir auch, nicht in durch menschliche Weisheit gelehrten Worten, sondern in durch den Geist gelehrten Worten, indem wir Geistliches durch Geistliches auslegen. (14) Der natürliche Mensch nimmt dagegen nicht an, was des Geistes Gottes ist, weil es für ihn eine Torheit ist, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt werden muß."

cHebr 1,1: "Nachdem Gott in der Vergangenheit vielfältig und auf vielerlei Weise zu den Vätern durch die Propheten geredet hat."

*Oder: einer schriftlichen Fassung

dSpr 22,19-21: "(19) Damit sich dein Vertrauen auf den Herrn gründet, belehre ich dich heute, gerade dich. (20) Habe ich dir nicht dreißig Sprüche als Ratschläge und Erkenntnis aufgeschrieben, (21) um dich die Wahrheit zuverlässiger Worte zu lehren, so daß du denen, die dich gesandt haben, zuverlässige Antwort geben kannst?"

Lk 1,3-4: "(3) So hat es auch mir gut geschienen, nachdem ich allem von Anfang an genau gefolgt bin, es dir, vortrefflichster Theophilus, in guter Ordnung aufzuschreiben, (4) damit du die Zuverlässigkeit der Lehren erkennst, in denen du unterrichtet worden bist."

Röm 15,4: "Denn alles, was zuvor geschrieben ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir Hoffnung durch das Ausharren und durch die Ermunterung der Schriften haben."

Mt 4,4+7+10 [Die drei Antworten Jesu bei seiner Versuchung durch den Satan]: "(4) Er aber antwortete und sagte: Es steht geschrieben: 'Der Mensch soll nicht von Brot allein leben, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes hervorgeht'. (7) Jesus sagte zu ihm: Wiederum steht geschrieben: 'Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen'. (10) Da spricht Jesus zu ihm: Hebe dich hinweg, Satan! Denn es steht geschrieben: 'Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen'."

Jes 8,19-20: "(19) Und wenn sie zu euch sagen: Befragt die Totengeister und die Wahrsagegeister, die da flüstern und murmeln, so sagt: Soll nicht ein Volk seinen Gott befragen? Oder soll man die Toten für die Lebenden befragen? (20) Hin zum Gesetz und hin zum Zeugnis [oder: zur Offenbarung]! Wenn sie nicht nach diesem Wort sprechen, wird es keine Morgenröte für sie geben."

e2Tim 3,15: "... weil du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die Kraft haben, dich weise zu machen zur Errettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist."

2Petr 1,19: "Um so fester besitzen wir das prophetische Wort, und ihr tut gut, darauf wie auf eine Lampe zu achten, die an einem dunklen Ort leuchtet, bis der Tag anbricht und der Morgenstern in euren Herzen aufgeht."

fHebr 1,1-2: "(1) Nachdem Gott in der Vergangenheit vielfältig und auf vielerlei Weise zu den Vätern durch die Propheten geredet hat, (2) hat er am Ende der Tage im Sohn zu uns geredet, den er zum Erben aller Dinge bestimmt hat. Durch ihn hat er auch die Welt geschaffen."

 

Artikel 1.2. Die Bücher der Heiligen Schrift

Unter dem Namen 'Heilige Schrift' oder 'das geschriebene Wort Gottes' werden jetzt alle Bücher des Alten und Neuen Testamentes zusammengefaßt, nämlich folgende:

Altes Testament: Genesis. Exodus. Leviticus. Numeri. Deuteronomium*. Josua. Richter. Ruth. 1. Samuel. 2. Samuel. 1. Könige. 2. Könige. 1. Chronik. 2. Chronik. Esra. Nehemia. Esther. Hiob. Psalmen. Sprüche. Prediger. Hohelied. Jesaja. Jeremia. Klagelieder. Hesekiel. Daniel. Hosea. Joel. Amos. Obadja. Jona. Micha. Nahum. Habakuk. Zefanja. Haggai. Sacharja. Maleachi.

Neues Testament: Die Evangelien nach Matthäus. Markus. Lukas. Johannes. Die Apostelgeschichte. Die Briefe des Paulus an die Römer. 1. Korinther. 2. Korinther. Galater. Epheser. Philipper. Kolosser. 1. Thessalonicher. 2. Thessalonicher. 1. Timotheus. 2. Timotheus. Titus. Philemon. Der Brief an die Hebräer. Der Brief des Jakobus. 1. und 2. Brief des Petrus. 1., 2. und 3. Brief des Johannes. Der Brief des Judas. Die Offenbarung.

Diese wurden alle durch Inspiration Gottes gegeben, um die Richtschnur des Glaubens und Lebens zu seing.



*Auch 1. Buch Mose bis 5. Buch Mose

gLk 16,29+31: Aus dem Lazarusgleichnis: "(29) Abraham sagte: Sie haben Mose und die Propheten; die mögen sie hören. (31) Er (A.) sagte zu ihm: Wenn sie Mose und die Propheten nicht hören, so werden sie auch nicht überzeugt werden, wenn jemand aus den Toten aufersteht."

Eph 2,20: "Ihr seid aufgebaut auf dem Grund der Apostel und Propheten, wobei Jesus Christus selbst der Eckstein ist."

Offb 22,18-19: "(18) Ich bezeuge allen, die die Worte der Weissagung dieses Buches hören: Wenn jemand etwas hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen hinzufügen, die in diesem Buch geschrieben sind; (19) und wenn jemand etwas von den Worten des Buches dieser Weissagung wegnimmt, so wird Gott seinen Anteil am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt wegnehmen, von denen in diesem Buch geschrieben steht."

2Tim 3,16: "Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit."

 

Artikel 1.3. Die Apokryphen sind menschliche Schriften

Die Bücher, die gewöhnlich Apokryphen genannt werden, sind kein Bestandteil des Kanons der Schrift, da sie nicht von Gott inspiriert sind, und haben deswegen keine Autorität in der Kirche Gottes und sollten in keiner anderen Weise anerkannt und gebraucht werden als andere menschliche Schriftenh.


hLk 24,27+44: "(27) Und von Mose und von allen Propheten anfangend, erklärte er ihnen, was in allen Schriften von ihm gesagt war. (44) Er sagte aber zu ihnen: Dies sind meine Worte, die ich zu euch redete, als ich noch bei euch war, daß alles erfüllt werden muß, was in dem Gesetz Moses und den Propheten und Psalmen über mich geschrieben steht." [Jesus folgt der jüdischen Einteilung des Alten Testamentes in drei Teile (die Geschichtsbücher bilden die 'vorderen' Propheten, die 'Psalmen' bezeichnen alle poetischen Bücher), die keinen Raum für die Apokryphen läßt.]

Röm 3,2: "Viel in jeder Hinsicht, denn zuerst sind ihnen die Aussprüche Gottes anvertraut worden." [Die Juden bewahrten den richtigen Kanon. Die Protestanten folgen dem jüdischen Kanon, die Katholiken sehen den jüdischen Kanon nicht als verbindlich an, sondern folgen einem von der Kirche festgelegten.]

2Petr 1,21: "Denn niemals wurde eine Weissagung durch den Willen eines Menschen hervorgebracht, sondern getrieben von dem Heiligen Geist redeten Menschen von Gott her."

 

Artikel 1.4. Die Heilige Schrift beruht auf dem Zeugnis Gottes

Die Autorität der Heiligen Schrift, um deretwillen man ihr glauben und gehorsam sein muß, beruht nicht auf dem Zeugnis irgendeines Menschen oder einer Kirche, sondern völlig auf Gott, der die Wahrheit selbst ist, als ihrem Autor*, und darum ist sie anzunehmen, weil sie das Wort Gottes isti.


*Oder: Urheber

i2Petr 1,19+21: "(19) Um so fester besitzen wir das prophetische Wort, und ihr tut gut, darauf wie auf eine Lampe zu achten, die an einem dunklen Ort leuchtet, bis der Tag anbricht und der Morgenstern in euren Herzen aufgeht. (21) Denn niemals wurde eine Weissagung durch den Willen eines Menschen hervorgebracht, sondern getrieben von dem Heiligen Geist redeten Menschen von Gott her."

2Tim 3,16: "Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit."

1Joh 5,9: "Wenn wir [schon] das Zeugnis der Menschen annehmen, so ist das Zeugnis Gottes größer; denn das ist das Zeugnis Gottes, daß er Zeugnis über seinen Sohn gegeben hat."

1Thess 2,13: "Und darum danken wir auch Gott unablässig, daß, als ihr von uns das Wort der göttlichen Predigt empfingt, ihr es nicht als Menschenwort aufnahmt, sondern, wie es in Wahrheit ist, als Gottes Wort, das in euch, die ihr glaubt, auch wirkt."

 

Artikel 1.5. Das Zeugnis des Geistes und die Hilfe der Kirche

Wir können zwar durch das Zeugnis der Kirche dazu bewogen und angeleitet werden, die Heilige Schrift hochzuschätzen und ehrerbietig zu betrachtenk; auch das himmlische Wesen des Inhalts, die Wirksamkeit der Lehre, die Erhabenheit der Redeweise, die Übereinstimmung aller ihrer Teile, der Gesamtzweck* des Ganzen, (der darin besteht, alle Ehre Gott zu geben), die von ihr gewährte völlige Enthüllung des einzigen Weges zum Heil für den Menschen, die vielen anderen unvergleichlichen Vorzüge, und ihre gänzliche Vollkommenheit darin, sind Gründe, durch die sie zum Überfluß beweist, daß sie das Wort Gottes ist. Aber trotzdem kommt unsere volle Überzeugung und Gewißheit von ihrer unfehlbaren Wahrheit und ihrer göttlichen Autorität aus dem inneren Wirken des Heiligen Geistes, der durch und mit dem Wort in unseren Herzen Zeugnis gibtl.


k1Tim 3,14-15: "(14) Dies schreibe ich dir in der Hoffnung, bald zu dir zu kommen. (15) Wenn ich aber später komme, sollst du wissen, wie man sich im Hause Gottes verhalten muß, das die Gemeinde des lebendigen Gottes ist, der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit."

*Oder: Rahmen (scope)

l1Joh 2,20+27: "(20) Und ihr habt die Salbung von dem Heiligen [Geist bzw. Gott] und wißt alles. (27) Und die Salbung, die ihr von ihm bekommen habt, bleibt in euch, so daß ihr es nicht mehr nötig habt, daß euch jemand belehrt. Sondern so, wie euch seine Salbung über alles belehrt, so ist es wahr und keine Lüge, und wie sie euch gelehrt hat, so bleibt in ihm."

Joh 16,13-14: "(13) Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit führen; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, wird er reden, und das Zukünftige wird er euch verkündigen. (14) Er wird mich verherrlichen, denn er wird von dem Meinigen nehmen und euch verkündigen."

1Kor 2,10-12 (siehe folgende Anmerkung n zum folgenden Artikel 1.6.)

Jes 59,21: "Was mich betrifft - dies ist mein Bund mit ihnen, spricht der Herr: Mein Geist, der auf dir ruht, und meine Worte, die ich in deinen Mund gelegt habe, sollen weder aus deinem Mund noch aus dem Mund deiner Kinder noch aus dem Mund der Kindeskinder weichen, spricht der Herr, von nun an bis in Ewigkeit."

 

Artikel 1.6. Wie gewinnen wir Erkenntnis aus der Schrift?

Der ganze Ratschluß Gottes in bezug auf alles, was zu seiner eigenen Ehre und zum Heil, zum Glauben und zum Leben des Menschen nötig ist, ist entweder in der Schrift ausdrücklich niedergelegt oder kann durch gute und notwendige Schlußfolgerungen aus der Schrift hergeleitet werden. Zu ihr darf zu keiner Zeit etwas hinzugefügt werden, sei es durch neue Offenbarungen des Geistes oder durch menschliche Traditionenm. Trotzdem anerkennen wir, daß die innere Erleuchtung des Geistes Gottes zum heilschaffenden* Verständnis solcher Dinge, die im Wort geoffenbart sind, notwendig ist,n und daß es einige Umstände bezüglich des Gottesdienstes und der Kirchenleitung gibt, die allen menschlichen Handlungen und Gesellschaften gemeinsam sind, die durch das Licht der Natur und christliche Klugheit nach den allgemeinen Regeln des Wortes, die stets beachtet werden müssen, geordnet werden müssen.o


m2Tim 3,14-17: "(14) Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du völlig überzeugt bist, da du weißt, von wem du gelernt hast, (15) ... weil du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die Kraft haben, dich weise zu machen zur Errettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist. (16) Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, (17) damit der Mensch Gottes vollkommen ist, zugerüstet zu allen guten Werken."

Gal 1,8-9: "(8) Wenn aber auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als Evangelium verkündigen würden entgegen dem, was wir euch als Evangelium verkündigt haben, so sei er verflucht! (9) Wie wir es vorher gesagt haben, so sage ich es auch jetzt wieder: Wenn euch jemand ein Evangelium verkündigt, das dem entgegensteht, was ihr empfangen habt, der sei verflucht!"

2Thess 2,2: "Laßt euch nicht schnell in eurem Sinn erschüttern noch erschrecken, weder durch Geist, noch durch Wort, noch durch Brief, als (wären sie) von uns, als ob der Tag des Herrn schon da wäre."

*Oder: errettenden, seligmachenden

nJoh 6,45: "Es steht in den Propheten geschrieben (Jes 54,13): 'Und sie werden alle von Gott gelehrt sein'. Wer es vom Vater gehört und gelernt hat, kommt zu mir."

1Kor 2,9-12: "(9) Sondern wie geschrieben steht (Jes 64,3): 'Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott denen, die ihn lieben, bereitet hat'. (10) Uns aber hat Gott es durch den Geist geoffenbart, denn der Geist erforscht alles, auch die Tiefen Gottes. (11) Denn wer unter den Menschen weiß, was im Menschen ist, als allein der Geist des Menschen, der in ihm ist? So hat auch niemand erkannt, was in Gott ist, als nur der Geist Gottes. (12) Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, damit wir die Dinge erkennen, die uns von Gott geschenkt worden sind."

o1Kor 11,13-14: "(13) Urteilt bei euch selbst: Ist es anständig, daß eine Frau unverhüllt zu Gott betet? (14) Oder lehrt euch nicht selbst die Natur, daß, wenn ein Mann langes Haar hat, es eine Schande für ihn ist?" [Vgl. aber E 2,305-311]

1Kor 14,26+40: "(26) Was ist nun, Geschwister? Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder einen Psalm, hat eine Lehre, hat eine Sprachenrede, hat eine Offenbarung, hat eine Auslegung. Laßt alle Dinge zur Auferbauung [oder: zum Nutzen] geschehen. (40) Alles aber geschehe anständig und in Ordnung." [Paulus argumentiert mit Nutzen und Anstand.]

 

Artikel 1.7. Die Klarheit der Schrift in bezug auf das Heil

In der Schrift sind nicht alle Dinge gleichermaßen in sich selbst klar und auch nicht gleichermaßen klar für allep; aber diejenigen Dinge, die zu erkennen, zu glauben und zu beobachten zum Heil notwendig sind, sind an der einen oder der anderen Stelle der Schrift so klar dargelegt und aufgedeckt, daß nicht nur die Gelehrten, sondern auch die Ungelehrten bei rechtem Gebrauch der gewöhnlichen Hilfsmittel zu einem hinreichenden Verständnis derselben gelangen könnenq.


p2Petr 3,16: [Petrus über die Briefe von Paulus:] "... wie auch in allen Briefen, wenn er in ihnen von diesen Dingen redet. In diesen ist einiges schwer zu verstehen, was die Unwissenden und Unbefestigten wie auch die übrigen Schriften zu ihrem eigenen Verderben verdrehen."

qPs 119,105+130: "(105) Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg. (130) Wenn dein Wort offenbar wird, so erfreut es und macht die Unverständigen weise."

 

Artikel 1.8. Die Schrift muß in die Umgangssprachen übersetzt werden

Das Alte Testament auf Hebräisch (das von alters her die Muttersprache des Volkes Gottes war) und das Neue Testament auf Griechisch (das zur Zeit der Niederschrift den Völkern am allgemeinsten bekannt war) sind unmittelbar von Gott inspiriert und durch seine besondere Fürsorge und Vorsehung zu allen Zeiten rein bewahrt worden, und sind deshalb authentisch*,r so daß sich die Kirche in allen Religionsstreitigkeiten letztlich auf sie zu berufen hats. Aber weil diese Ursprachen nicht dem ganzen Volk Gottes bekannt sind, das Anrecht und Interesse an der Schrift hat und das Befehl empfangen hat, sie in der Furcht des Herrn zu lesen und zu erforschent, so ist sie deshalb in die Umgangssprache jedes Volkes, zu dem sie gelangt,u zu übersetzen, damit das Wort Gottes in allen reichlich wohnt und sie ihm in wohlgefälliger Weise dienenw und durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben.x



*Oder: zuverlässig, verbürgt

rMt 5,18: "Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist."

sJes 8,20: "(20) Hin zum Gesetz und hin zum Zeugnis [oder: zur Offenbarung]! Wenn sie nicht nach diesem Wort sprechen, wird es keine Morgenröte für sie geben."

Apg 15,15: "Und hiermit stimmen die Worte der Propheten überein, wie geschrieben steht ..." [Mit einer Berufung auf die Schrift endet das Apostelkonzil.]

Joh 5,39+46: "(39) Ihr erforscht die Schriften, denn ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu finden, und [tatsächlich:] sie sind es, die von mir zeugen. (46) Denn wenn ihr Mose glauben würdet, so würdet ihr mir glauben, denn er hat von mir geschrieben."

tJoh 5,39: "Ihr erforscht die Schriften, denn ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu finden, und [tatsächlich:] sie sind es, die von mir zeugen."

u1Kor 14,6+9+11-12+24+27-28: "(6) Nun aber, Geschwister, wenn ich zu euch komme und in Sprachen rede, was werde ich euch nützen, wenn ich nicht zu euch in [verständlichen] Worten der Offenbarung oder der Erkenntnis oder der Weissagung oder der Lehre rede? (9) So auch ihr, wenn ihr durch die Sprachenrede keine verständliche Rede weitergebt, wie soll man erkennen, was geredet wird? Denn ihr werdet in den Wind reden. (11) Wenn ich nun die Bedeutung der Sprachenrede nicht kenne, so werde ich dem Redenden ein Barbar sein und der Redende für mich ein Barbar. (12) So auch ihr, da ihr nach den Gaben des Geistes eifert, so eifert danach, daß ihr zur Auferbauung der Gemeinde überströmend seid. (24) Wenn aber alle weissagen und irgendein Ungläubiger oder Unkundiger kommt herein, so wird er von allen überführt und von allen beurteilt. (27) Wenn nun jemand in einer Sprache redet, so sollen es zwei oder höchstens drei und die nacheinander sein, und einer soll es übersetzen. (28) Wenn aber kein Übersetzer da ist, so soll er in der Gemeinde schweigen, sondern für sich und für Gott reden." [Vgl. auch V.16: nur wenn man versteht, kann man 'Amen' sagen.]

wKol 3,16: "Laßt das Wort Christi reichlich unter euch wohnen. In aller Weisheit lehrt und ermahnt euch gegenseitig; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott in Gnade in euren Herzen."

xRöm 15,4: "Denn alles, was zuvor geschrieben wurde, wurde zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch die Geduld und durch den Trost [oder: durch die Ermunterung] der Schriften Hoffnung haben."

 

Artikel 1.9. Die Schrift legt die Schrift aus

Die unfehlbare Regel der Auslegung der Schrift ist die Schrift selbst. Wenn deshalb eine Frage über den wahren und vollen Sinn einer Schriftstelle besteht, der nicht vielfältig, sondern nur einer ist, so muß er aus anderen Stellen, die klarer reden, erforscht und verstanden werden.y



y2Petr 1,20-21: "(20) Und dies sollt ihr vor allem wissen, daß keine Weissagung der Schrift aus eigener Deutung geschieht [Luther: keine Sache eigener Auslegung ist]. (21) Denn noch nie wurde eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht, sondern von Gott her redeten Menschen, getrieben vom Heiligen Geist."

Apg 15,15-16: "(15) Und hiermit stimmen die Worte der Propheten überein, wie geschrieben steht (Amos 9,11-12): (16) 'Nach diesem will ich wieder zu ihnen zurückkehren und die Hütte Davids, die zerfallen ist, wieder bauen und ihre Trümmer will ich wieder aufbauen und sie wieder aufrichten'." [Mit einer Berufung auf die Schrift endet das Apostelkonzil.]

[Vgl. auch Hebr 4,12-13]

 

Artikel 1.10. Alles ist an der Schrift zu prüfen

Der oberste Richter, vor dem alle Religionsstreitigkeiten zu entscheiden sind und alle Konzilsbeschlüsse, Meinungen der alten Schriftsteller*, Lehren der Menschen und Meinungen einzelner zu prüfen sind und in dessen Urteçil wir zur Ruhe kommen müssen, kann niemand anderes sein als der Heilige Geist, der in der Schrift redetz.


*Gemeint sind die Kirchenväter

zMt 22,29+31: "(29) Jesus aber antwortete und sagte zu ihnen: Ihr irrt, weil ihr weder die Schriften noch die Kraft Gottes kennt. (31) Habt ihr denn von der Totenauferstehung nicht das gelesen, was zu euch von Gott, der da redet, gesagt wurde."

Vgl. Eph 2,20 mit Apg 28,25: Eph 2,20: "Ihr seid auferbaut auf dem Grund der Apostel und Propheten, wobei Jesus Christus selbst der Eckstein ist." Apg 28,25: "Sie waren aber unter sich uneins und gingen weg, als Paulus das eine Wort sagte: Zu Recht hat der Heilige Geist durch Jesaja, den Propheten, zu euren Vätern geredet"

[Vgl. auch Hebr 4,12-13]